Denker mit Profil

30. Oktober 2013

Lange wusste ich nichts von Fulbert Steffensky. Vermutlich stand er schlicht im Schatten seiner Frau, deren Theologie ich ähnlich spät entdeckt habe …

Neben seiner herrlich unverbrauchten Sprache schätze ich zwei Dinge an ihm: Er macht seine biographischen Lern-Wege transparent, steht zu den Wendungen in seinem Denken. Und er kümmert sich – vielleicht deshalb? – nicht um klassische Frömmigkeits-Schubladen.

Manchmal geht man Wege, die einen an den eigenen Ausgangspunkt zurückführen, ohne dass man sie vergeblich gemacht hätte. »Vom Glück, gebraucht zu werden« könnte ein Thema sein, das man vor 40 oder 50 Jahren in einem religiösen Journal für Barmherzige Schwestern finden konnte. Es war damals ein erwartbarer Titel in einer Zeit, in der Selbstlosigkeit alles war und in der die Entfernung von sich selbst und dem eigenen Glück Ziel in sich war. Wir haben uns dann langsam von den glücksfeindlichen Diktaten entfernt. Wir lernten Ich zu sagen und das Glück des eigenen Gedankens, der eigenen Erfüllung und der eigenen Sexualität zu verlangen. Wir lernten, uns selber zu beabsichtigen. Dann stellten wir fest, wie sehr man sich in der Selbstbeabsichtigung erschöpfen kann. Wir lernten, dass sie ein ebenso gefährliches Ziel ist wie die pure Selbstlosigkeit. Wir haben eine alte Wahrheit neu gelernt: wer seine Seele sucht, wird sie verlieren. Wer nichts anderes im Auge hat als sich selber, verheert sich und seine Welt. Nun sind wir wieder am alten Ausgangspunkt, ohne dass der Weg überflüssig war. Aber wir fragen dies als solche, die sich nun selbst gelernt haben und die das eigene Glück nicht mehr scheuen.

Viele von uns wehren sich heute, Gott »Herrn« zu nennen. Sie wollen ihm mit sanfteren und zärtlicheren Namen rufen. Ich verstehe das. Aber zugleich wird mir angesichts unserer eigenen skrupellosen Herrschaftsallüren der Name Herr immer wichtiger. Wenn ich Gott den Herrn nenne, dann weiß ich, dass das Leben nicht zu meiner Verfügung steht, und ich falle mit diesem Namen meiner Unbedenklichkeit und meiner Zerstörungslust in den Arm.

 

Ein Kommentar zu “Denker mit Profil”

  1. Steffen meint:

    Immer wieder: Vielen Dank für die Tipps.
    Gekauft!

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