Déjà Vu – Leben in der Gegenwart

23. Januar 2007

…eine Andacht vom CVJM-Sport-Abend.

Vor zwei Wochen war ich in Frankfurt – und spontan im Kino: »Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit«.

Worum geht’s?! Ein Bombenattentat auf ein Ausflugsschiff – über 500 Menschen sterben. Special-Agent Carlin alias Denzel Washington verliert bei dem Unglück einen Kollegen.

Er beginnt mit den Ermittlungen – und erfährt schließlich: Dem Geheimdienst ist es gelungen, mit Hilfe einer Raum-Zeit-Krümmung die Vergangenheit nochmal neu ablaufen zu lassen – im Abstand von vier Tagen und sechs Stunden. Dabei lassen sich auch Kontakte herstellen zwischen Jetzt und Damals.

Nicht so ganz wahrscheinlich…aber wenn man diese Sache schluckt, dann ist der Film gar nicht schlecht. Carlin reist zurück in die Vergangenheit, tut dort Dinge, die er in seinem eigentlichen Leben schon geahnt hatte (Déjà-Vu-Erlebnisse!) – und schafft es, den Anschlag zu verhindern.

Es ist ein alter Menschheitstraum: Die Zeit zurückdrehen. Dinge nochmal neu tun können. Entscheidungen anders treffen.

Das kann ganz banal aussehen: »Hätte ich doch eben besser gedeckt – dann hätten die den Korb nicht gemacht.« Oder: »Wenn ich die Angabe nochmal machen könnte…«

…aber das passiert auch bei viel wichtigeren Dingen: »Hätte ich bloß eine andere Ausbildung angefangen!« Oder: »Wenn dieser Mensch nochmal leben würde – dann würde ich anders mit ihm umgehen.«

Dann ist es besonders schmerzhaft, wenn wir merken: Es geht nicht. Was geschehen ist, ist geschehen. Wir können nicht zurück in die Vergangenheit. Keine Chance. Das kann eine bittere Wahrheit sein.

Was mir auffällt: Einerseits trauere ich oft der Vergangenheit hinterher. …und andererseits wünsche ich mich oft in die Zukunft: »Wenn ich doch schon mein Examen in der Tasche hätte!« Oder auch mal: »Wenn ich erst mal Familie habe, ja dann…«

Dann passiert es plötzlich, dass man schon Termine für 2008 hat. Und die manchmal besser im Kopf hat als das, was diese Woche passiert.

Mit unserer Zeit klarkommen – das ist gar nicht so einfach. Vergangenheit. Zukunft. Was denn nun?! Und was ist mit der Gegenwart? Müssen wir die halt ertragen – so gut es geht?!

Das Problem: Die Gegenwart bleibt ja nicht ewig Gegenwart. Die Zeit läuft. Und sie nimmt uns mit. Die Zeit nimmt uns mit – und wir können nicht mal vor- und zurückspulen.

Eine berühmte Stelle im Buch Prediger:

»Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.«

Das ist unsere Erfahrung. Alles hat seine Zeit. Alles ist begrenzt in seiner Dauer. Wir können später nicht mehr dorthin zurück. Und wir können nicht vorher schon dorthin. Wir leben in der Gegenwart.

Es geht dann ganz alltagstauglich weiter:

»… geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.«

Das sind sehr nüchterne Worte. Aber ich finde mich darin wieder.

Wie kann man so was aufschreiben und lesen – ohne daran zu verzweifeln? Ohne hinzuwerfen?! Das klingt doch frustrierend! Wie soll man damit leben?!

Das geht, wenn ein anderer mit unserer Zeit klarkommt. Einer, der gestern, heute und morgen derselbe ist. »Meine Zeit steht in deinen Händen«, sagt ein Beter in der Bibel – und meint damit Gott.

Mir hilft es, das zu wissen. Ich kann nicht zurück in die Vergangenheit, kann dort nichts ändern. Keine Déjà Vus. Ich kann nicht vor in die Zukunft. Aber egal, was passiert ist und egal, was noch nicht passiert ist – Gott kennt meine Gegenwart. Ich muss nicht alleine mit ihr klarkommen.

Wenn es stimmt, dass Gott die gesamte Zeit überblickt – von Vergangenheit bis Zukunft –, dann muss es keine Begrenzung bedeuten, dass ich selbst nur in der Gegenwart lebe. Dass ich nur einen kleinen Ausschnitt sehe. Gott sieht viel weiter.

Wenn wir unsere Gegenwart mit Gott leben, dann ist es die beste Gegenwart, die uns passieren kann. Ich glaube, dann muss das Leben auch kein »Wettlauf gegen die Zeit« sein.

Wenn du das nächste Mal der Vergangenheit hinterhertrauerst – dann schau dir »Und täglich grüßt das Murmeltier« an. Am besten fünfmal nacheinander. Das könnte helfen.

 

Ein Kommentar zu “Déjà Vu – Leben in der Gegenwart”

  1. Herdis meint:

    Hey, ich bin hier so drüber gestolpert und muss sagen, dass ich diesen Eintrag über Zeit/Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft sehr toll finde, obwohl ich nicht gläubig bin. Regt mich trotzdem sehr zum Nachdenken an und ist toll geschrieben. Mach’s gut!

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