Das eigentliche Tauf-Problem

20. Oktober 2007

So vehement in bestimmten Kreisen manchmal über die Taufe debattiert wird, so erschreckend stumm sind die Kirchen geworden. So jedenfalls die These von Ralph Kunz, der in seinem Beitrag, ausdrücklich an Jürgen Moltmann anknüpfend, feststellte: »Keine Kirchenreform ohne Taufreform!« Interessant fand ich dabei den Ansatz, das Drei-Stufen-Modell aus Dietrich Bonhoeffers Geniestreich-Dissertation »Sanctorum communio« zwar grundsätzlich anzuerkennen (dabei definieren drei konzentrisch angeordnete Kreise drei verschiedene »Stadien« von Kirchenzugehörigkeit), dabei aber zu fordern, dass die Taufe nicht an den Rand, sondern in das Zentrum gehöre. Wenn ich Bonhoeffer richtig verstanden habe, geht es ihm aber ganz schlicht um die Feststellung, dass die Hemmschwelle hin zur Taufe insgesamt die geringste ist (was ja auch der volkskirchlichen Realität entspricht). Na ja.

Voll und ganz zustimmen kann ich dagegen der eigentlichen Hauptthese, die dann folgte:

Als missionarische Kirche müssen wir keineswegs gegen die Säuglingstaufe vorgehen (über deren Verständnis man im Einzelnen streiten kann – habe im Verlauf der Diskussion gemerkt, wie lutherisch ich bin…). Wohl aber gegen einen »Taufautomatismus«, der das Dass der (Säuglings-)Taufe überhaupt nicht mehr in Frage stellt, diese Kasualie also stumpf und unreflektiert abwickelt und dem Taufwunsch der Eltern jeweils ungeprüft nachkommt.

Möglichkeiten für eine solche Taufreform sehe ich viele. Es beginnt bei den Infobroschüren, die womöglich in der Kirche ausliegen – und endet vielleicht sogar bei verpflichtenden Taufseminaren für Eltern. Ich ahne es schon – die Vikariatszeit wird in dieser Hinsicht sehr interessant werden.

 

5 Kommentare zu “Das eigentliche Tauf-Problem”

  1. Achti meint:

    Ich denke, die Taufe hat durch den besagten Automatismus eine Inflation erfahren. Taufe ist zur Schleuderware geworden, eine “billige Gnade” (Bonhoeffer in “Nachfolge”).
    Das hängt m.E. auch mit der zwangsläufig damit verbundenen Kirchenmitgliedschaft zusammen. Ich halte da die Praxis der Methodisten für vorbildlich, bei denen Mitgliedschaft auch ohne Taufe möglich ist.
    Das beugt dem lutherischen Missverständnis vor, als wäre die Institution Kirche schon der Leib Christi, in den man hineingetauft wird. Wobei ich generell vorsichtig wäre, den falschen Umkehrschluss aus 1Kor 12 zu ziehen, dass jedes Taufen Teile zum Leib Christi hinzufügt. Hat denn der Leib Christi auch abgestorbene Glieder?

  2. Andere berichten aus Greifswald at einAugenblick.de meint:

    [...] Daniel Schlunk: • Bedingungslose Kapitulation?! • Falsche Differenz • Das eigentliche Tauf-Problem [...]

  3. Dave meint:

    Danke, Daniel für den Beitrag. Hast Du den Vortrag mitgeschrieben? Das war nämlich einer derer, die mich im Vorfeld am meisten interessierten.

    Ich denke nicht, dass die automatische Kirchenzugehörigkeit das Problem ist. Denn die wenigsten, denen Kirche egal ist und sie ihr Kind dennoch taufen lassen, machen sich über Ewigkeit, Rettung, Heil, Verlorensein und so weiter überhaupt Gedanken.

    Das Problem setzt meines Erachtens schlicht und einfach in der Theologie der hauptamtlichen Geistlichen an. Wenn ich glaube, dass der Mensch – egal welchen Alters und egal welchen Glaubens – durch die Taufe wiedergeboren ist zu neuem, ewigen Leben bei Gott, habe ich den Tod im Topf.

  4. Simon meint:

    @Achti: Den Taufautomatismus in Beziehung zu setzen zur Rede von der billigen Gnade, das finde ich einen sehr guten Gedanken.

  5. Achti meint:

    @Simon: Hör auf zu schleimen. ;-)

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