Bunter und breiter

11. Januar 2013

In den deutschen evangelischen Landeskirchen (wo eigentlich noch?) orientieren sich die Themen und Texte der Gottesdienste an der sogenannten Perikopenordnung: Jeden Sonntag wird eine andere Gottesdienst- und Predigt-Grundlage vorgeschlagen – Wiederholung alle sechs Jahre. Die protestantische Freiheit vorausgesetzt, auch mal abzuweichen von der Vorgabe: Insgesamt bin ich froh über dieses System. Auch wenn die eigene Auswahl eines Bibeltextes usw. vielleicht nicht immer in einen »intensiven geistlichen Kampf« münden würde (wie ein mir hinlänglich bekannter Pfarrer in seiner Predigt-Einleitung stets zu betonen pflegte) – aufwändig wäre es sicher. Und egal, wer in der Gemeinde die Festlegungen treffen würde: Es besteht dann immer die Gefahr, überwiegend bei den eigenen Lieblings-Passagen zu landen – und sich über kurz oder lang nichts Neues mehr sagen zu lassen.

Entsprechend wichtig ist allerdings die Ausgewogenheit der zentralen Perikopenordnung. Und da stimmt mich die aktuelle Konstellation – hier besonders schön-interaktiv aufgemacht – nicht immer glücklich: Längst nicht alle ausgewählten Predigttexte vertragen sich mit den (eigentlich) übergreifenden Sonntags-Themen. Während Predigtreihe I nur Evangelientexte umfasst, darf man sich im jeweils nachfolgenden Kirchenjahr (Predigtreihe II) fast ausschließlich mit neutestamentlichen Brieftexten plagen. Das Alte Testament begegnet einem erst in Predigtreihe V so richtig, da dann aber arg geballt. Und so manche inhaltliche Doppelung ist mir auch schon aufgefallen. (Von den diversen Abweichungen der Württemberger Perikopenordnung ganz zu schweigen.)

… deshalb freue ich mich über die begonnene Perikopenrevision, über die schon länger gemunkelt wird, … und die nun so richtig in Fahrt zu kommen scheint: Eine von EKD, UEK und VELKD eingesetzte Arbeitsgruppe hat – im Sinne einer »moderaten Reform« – manche Schneisen geschlagen – und für die Adventszeit erste konkrete Vorschläge gemacht. Das wirkt schon mal vielversprechend, finde ich (und steigert die Vorfreude auf die geplante Praxis-Testphase):

 

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