Beschneidung neu bewerten?

26. Juli 2012

Während das »ZEITmagazin« den Penis neu in Szene setzen will, … habe ich mich noch nicht mal zur (auslösenden?!) Beschneidungs-Debatte geäußert. Vielleicht deshalb nicht, weil sich meine bisherige Sicht der Dinge relativ gut aus früheren Blog-Einträgen erschließen ließ: Wenn die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit als positive Religionsfreiheit zu verstehen ist, wenn das auch aus christlicher Perspektive unbedingt für alle Religionen gelten muss und wenn sich überdies mit dem von Friedrich Schweitzer entfalteten »Recht des Kindes auf Religion« nicht nur die christliche Säuglingstaufe gut begründen lässt, … dann war das Kölner Beschneidungs-Verbot grundfalsch. Ein weiteres Beispiel für übertriebenen Wirbel …

… das alles gilt allerdings nur auf der Grundlage, dass die Beschneidung keinen wesentlichen körperlichen Eingriff bedeutet, … wovon ich bisher selbstverständlich (etwa naiverweise?) ausgegangen war. Was aber tun, wenn tatsächlich gilt: »Die Vorhaut ist kein Ohrläppchen« (Birgitta vom Lehn in »Christ und Welt«)? Dann wäre auch der Tauf-Vergleich hin. Denn dass auch die Taufe unwiderruflich ist, selbst nach einem Kirchenaustritt noch gilt, ist erstens eine rein innerkirchliche Argumentation und macht sich zweitens nicht an körperlichen Gegebenheiten fest.

… ob wiederum ein wesentlicher körperlicher Eingriff unbedingt gleich Gewalt ist? Daran äußert unter anderem Josef Bordat ernsthafte Zweifel (danke für den Hinweis, Tobias!).

Dass man in jedem Fall vorsichtig sein muss mit den Parallelisierungen, ist natürlich klar: Mit dem Piercing ist die männliche Beschneidung vermutlich vergleichbar. Mit der weiblichen Genitalverstümmelung natürlich auf keinen Fall.

 

2 Kommentare zu “Beschneidung neu bewerten?”

  1. steffen meint:

    Religion MUSS geschützt sein und bleiben!
    Rühren wir daran, rühren wir an den Menschenrechten.
    Beschneidung seines Sohnes ist für den Juden, Moslem Menschenrecht.

    Genitalverstümmelung, das Entfernen der Schamlippen oder das Zunähen der Vagina, ist in keiner Heiligen Schrift einer Religion geboten. Die Beschneidung der Jungen schon und somit ist sie Heilig.

    Darüber zu diskutieren ist müßig und für uns unmöglich, denn über andere Religionen diskutiert man nicht, man respektiert sie.
    Sie sind keine Politik und dürfen auch nicht ihr Spielball werden.

  2. Tobias Lampert meint:

    Vielen Dank für Deinen Beitrag und die Verlinkung, Daniel!

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