Bedingungslose Kapitulation?!

19. Oktober 2007

Donnerstag: Start des Symposiums »Kirche in der Postmoderne« in Greifswald. Nach einführenden Vorträgen von Lamin Sanneh (Yale) und Andreas Feldtkeller (Berlin) hat Heinzpeter Hempelmann eine philosophische Grundlegung beigesteuert. Sein Vortrag über »Kenotische Partizipation. Philosophisch begriffene Postmoderne als theologische Herausforderung« (Eingangsbemerkung: »Ich hätte als Titel auch "What would Jesus do?" wählen können – aber das hätte nicht so akademisch geklungen…«) mündet in eine heftige Grundsatzdiskussion. Viele Teilnehmer wirken überrascht von den radikalen Feststellungen des doch als »konservativ« bekannten Theologen aus Liebenzell im frommen Württemberg.

…dann, gegen 21.30 Uhr, allgemeine Müdigkeit. Eine letzte Wortmeldung. Ein älterer Herr. Pannenberg-Schüler. Er bringt wahrscheinlich das auf den Punkt, was viele in diesem Augenblick denken: »Sind wir eigentlich alle postmodern? Müssen wir uns diesem Paradigma [Pause und dramatische Betonung] unterwerfen?!«

»Nein, nicht pauschal«, so die postwendende Antwort des Referenten. Auch in der »Postmoderne« ist nicht einfach jeder Mensch »postmodern«. Vielmehr besteht die »postmoderne« Gesellschaft aus prämodernen, modernen und nachmodernen Menschen. Dann besteht die Herausforderung darin, jeweils zu erkennen, wen man vor sich hat. Und ein Prediger muss quasi alle drei Prägungen berücksichtigen – gleichzeitig natürlich. (Was im Fall verschiedener Milieus ja eigentlich nichts anderes ist.)

Sofort musste ich an John Finney denken (der vorhin, in seiner Morgenandacht, Hiob als exemplarisch postmodernen Menschen vorgestellt hat) – und sein eindrückliches Bild des »bizarre bird«: Der »typische« Mensch von heute hat zwei Flügel – einen modernen und einen postmodernen. Einerseits ist er (noch) »alten« Fragestellungen verhaftet: Er fragt nach Wahrheit, sucht rationale Argumente. Andererseits sucht er nach Sinn in umfassendem Sinn, gibt sich nicht (mehr) mit bloßer Apologetik zufrieden.

Nur nebenbei: Der Veranstaltungsort hier, das Alfried Krupp Wissenschaftskolleg besticht nicht nur durch exzellenten Kaffee samt kostenlosem Kuchen in den Pausen (und das, obwohl wir gar nichts bezahlen mussten… :-) ), sondern auch durch die Annehmlichkeit eines schnellen W-LAN-Internetzugangs. Allzu viel freie Zeit wird aber gar nicht bleiben, fürchte ich – allein heute stehen insgesamt fünf Vorträge auf dem Programm. Was heißt, dass ich den neulich angekündigten retrospektiven Blick auf ausgewählte Reiseerlebnisse vermutlich erst nächste Woche versuchen werde.

 

2 Kommentare zu “Bedingungslose Kapitulation?!”

  1. Daniel meint:

    …inzwischen gibt es (dank W-LAN) schon weitere Beiträge, die das Geschehen teils sehr umfassend zusammenfassen – z.B. bei Simon, Daniel und Peter. Ich werde mich wahrscheinlich weiter auf verschiedene Spontan-Eindrücke beschränken.

  2. Andere berichten aus Greifswald at einAugenblick.de meint:

    [...] Daniel Schlunk: • Bedingungslose Kapitulation?! [...]

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