Bedeutungsvolle Bedeutungslosigkeit

4. April 2011

»Nichts. Was im Leben wichtig ist«. Etwas mehr als 60 Minuten habe ich für Janne Tellers Jugendbuch gebraucht. Was weniger am großen Schriftbild lag als an der unheimlichen Sogwirkung.

Dass der Roman an dänischen Schulen zunächst verboten wurde, erschließt sich mir jetzt erst nach und nach: Was auch immer die Schüler(innen) der 7A anhäufen auf ihrem »Berg der Bedeutung« – geliebte Boxhandschuhe, einen Gebetsteppich, den Sarg des kleinen toten Bruders, schließlich sogar den rechten Zeigefinger des begabten Gitarristen Jan-Johan… –, nichts davon scheint am Schluss wirklich Bedeutung zu haben. Aussteiger Pierre Anthon scheint richtig zu liegen mit seiner nihilistischen Grundhaltung. Um so mehr am Schluss, als er verzweifelt-feige ermordet wird.

Gerade wegen dieser brutalen Radikalität: Gut, dass 2001 der Kinderbuchpreis des dänischen Kulturministeriums folgte. Heute ist das Buch gängige Schullektüre. Nach der Übersetzung ins Deutsche (dem Hanser Verlag ist ein phänomenales Design gelungen) wohl auch hierzulande. Manchen Lebensfragen muss man sich stellen, irgendwann. Wer Janne Tellers Roman durchrungen hat – philosophisch und theologisch –, ist viele Schritte weiter. (Wäre es eigentlich so schlimm, wenn nicht wir dem Leben Bedeutung geben können?!)

Mal sehen, wann sich die Gelegenheit ergibt im Reli-Unterricht…

 

4 Kommentare zu “Bedeutungsvolle Bedeutungslosigkeit”

  1. Daniel meint:

    Hier ein anregendes Interview mit der Autorin

  2. pitt meint:

    Ich weiß von einer Lehrerin, die dieses Buch in der Schule mit den Schülern liest. Diese dürfen die Bücher aber nicht mit nach hause nehmen, sondern nur gemeinsam mit der Klasse lesen. Kommentar eines Schülers: “Wir dürfen die bestimmt deshalb nicht mitnehmen, damit wir uns nicht umbringen.”

    In einer anderen Klasse wurden die Bücher in einer verschlossenen Kiste im Klassenraum aufbewahrt, bis Unbekannte diese schließlich aufgebrochen haben, um an die Bücher zu kommen.

    Dieses Buch hat es geschafft, Kinder zum Lesen zu bringen. Die Frage aber ist: interessiert und beschäftigt sie wirklich der Inhalt, oder ist es nur der Reiz des (einst in Dänemark) Verbotenen :-)

    Im Ernst: Ich habe das Buch gerne gelesen. Es gehört zu meinen Lieblingsbüchern.

    Viele Grüße
    Pitt

  3. birgit meint:

    Ich fand es auch großartig. Aber auch sehr verstörend. Dieser eisige Ton.
    @ Pitt: Das mit dem Wegschließen wäre vielleicht noch eine Idee bzgl. Konfis und Bibel ;)

  4. pitt meint:

    :-) ))

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