Auf und zu

27. April 2015

»Christsein ohne Doppelmoral«. Forderte Ulrich Eggers vor einigen Wochen in einem hochinteressanten Referat.

Am Anfang war ich völlig einig: Jesus will keine frommen Fassaden, keine »übertünchten Gräber« (Matthäus 23,27). Vorsicht vor doppelten Wirklichkeiten. Und vor unehrlichen Liedern: Den »Kelch des Leids« »dankbar ohne Zittern« aus Gottes Hand nehmen (womöglich noch zur fröhlichen Dur-Melodie …) – wer kann das wirklich? Gibt es womöglich auch eine falsche Spiritual Correctness, mit der wir uns gegenseitig in die Tasche lügen?!

… und trotzdem wurde mir die Sache an irgendeinem Punkt zu eng. Beziehungsweise zu weit. Denn: Muss ich anderen wirklich alles von mir zumuten? Brauchen wir nicht auch Schutzräume, in denen wir nur uns selbst – und Gott – Rechenschaft ablegen müssen? Darf es in einer ehrlich gelebten Partnerschaft tatsächlich keine Geheimnisse mehr geben (so eine der markanten Thesen am Schluss)? Plötzlich landete ich gedanklich in einem Uralt-Referat von Siegfried Zimmer. Und bei dessen Mahnung: Christen (nicht nur charismatisch geprägte!) müssen aufdecken – und zudecken. Beides. In Liebe. Und jeweils zur rechten Zeit.

 

Ein Kommentar zu “Auf und zu”

  1. Steffen meint:

    …und sich eingestehen, dass man ja eigentlich nicht wirklich weiß was “ehrlich” ist.
    “Ehrlich” ändert sich mit unseren Erfahrungen.
    Auch eine “Lüge” oder eben ein Geheimnis, kann “christlich” sein.
    Dann nämlich, wenn es dazu dient die Liebe zu fördern.

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