Ärgerliche Spendenwerbung

27. Juli 2009

Letzte Woche, Mittwoch: Ich habe eben Besuch bekommen…da klingelt es nochmal an der Tür. Ein flotter junger Typ – »das Rote Kreuz« – meldet sich und spurtet mir entgegen in den ersten Stock. Zeigt mir zwei Stapel mit Formularen: »Die hier sind schon fertig…und die müssen wir noch ausfüllen.« Will gerade fragen, was das mit mir zu tun hat, als die kleine einstudierte Rede auch schon weitergeht: »Hier schreiben wir jetzt Ihre Daten rein – und hier einen Betrag.« Präsentische, indikativische, performative Rede in allen Ehren…ich frage trotzdem nach weiteren Erläuterungen. Und erfahre, dass das Spendenformular in der Stadt den ländlichen Klingelbeutel ersetze – und dass eine milde Gabe für die vielfältigen Aufgaben des Roten Kreuzes »völlig selbstverständlich« sei. Zumindest habe »bislang noch niemand abgelehnt«. Ich verweise freundlich auf unsere gemeinsam geführte Haushaltskasse – Judith hatte Nachtdienst – und frage nach einem allgemeinen Spendenkonto. So was gebe es leider nicht. Ich müsse mich schon gleich entscheiden. Was mir die Gelegenheit gibt, auf meine prinzipielle Ablehnung windiger Ad-hoc-Haustürgeschäfte zu verweisen (während ich an ungute Erfahrungen mit dem sogenannten »Schülerbotendienst« vor einigen Jahren denke…).

Ein Anflug von schlechtem Gewissen legt sich, als ich von ähnlich ablehnenden Reaktionen der übrigen Hausbewohner erfahre. Im Internet lese ich nach, dass diese direktive Form der Spendenwerbung durchaus üblich sei. Gelungen finde ich sie trotzdem nicht.

Donnerstag: Etwa dieselbe Uhrzeit…es klingelt. »Das wird doch nicht etwa…« Doch. »Ich wollte Ihnen nochmal eine Chance geben«, so die plausibel-freche Erklärung. Ich kontrolliere zunächst den Ausweis meines wendigen Gesprächspartners – um ihm dann diverse konkrete Anfragen zu nennen. Woraufhin ich dieses Mal zumindest das (nach wie vor leere) Formular einbehalten kann (Mausklick vergrößert!). Interssant finde ich vor allem den Vermerk oben rechts, dass es sich um »[k]eine einmalige Spende« handle.

Montag: Ich wähle die auf dem Formular angegebene Telefonnummer. Niemand geht ran. Die Zentrale kann mich schließlich mit einer zuständigen Person verbinden. Die überaus offen für meine Rückmeldung ist – und nach einem sehr freundlichen Gespräch Besserung verspricht.

Auch christliche Verlage etc. stehen regelmäßig vor der Frage, ob sie Fremdfirmen mit Haustür-Werbung beauftragen sollen. Nach den aktuellen Erfahrungen würde ich sagen: Lieber nicht… Denn wo Inhalt und Methode sich widersprechen, da sind die Türen dann gleich doppelt zu.

 

2 Kommentare zu “Ärgerliche Spendenwerbung”

  1. Achti meint:

    So eine überfallartige Belästigung und Vereinnahmung widerspricht eigentlich dem humanitären Grundgedank vom DRK. Das ist unterste Schublade.
    Damals im Call-Center haben wir so einmal gearbeitet. Zuvor hatten wir nach einem Telefonat Infomappen verschickt. Also wirklich nur bei Interesse.
    Die Bestellungen blieben aber aus.
    Dann haben wir die Infomappenbesteller angerufen, wieviele Präparate (zahnmedizinische Produkte) wird verschicken sollen. Als wie hier ganz dreist einen Kaufwillen vorausgesetzt. Das kam gar nicht gut an. Trotz des Vorlaufs nicht.
    Das DRK tut sich keinen Gefallen mit so billigen Methoden.

  2. Florian meint:

    Musste dann doch ein wenig grinsen als ich die Geschichte gelesen hab…mich würde mal interresieren was das “sonstiges” bei der Anrede vom Spendenformular zu suchen hat ?!

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