Ankunft und Abschied

10. September 2008

Es gibt diverse gute Gründe, gegen das größenwahnsinnige anspruchsvolle Stuttgarter Großprojekt »Stuttgart 21« zu votieren. Ein Punkt sind die eventuell massiv explodierenden Kosten.


 

Architekt Roland Ostertag, verantwortlich für eine der beiden finanziellen Studien mit kritischem Ergebnis, nennt noch ein weiteres Argument. Im Interview mit »trottwar« (Ausgabe 9/2008) stellt er fest: »Man kann sehen, dass die Menschen die Zeitung weglegen und aus dem Fenster schauen, wenn der Zug in die einmalige Landschaft Stuttgarts einfährt. Ankunft und Abschied dürfen doch nicht im Keller einer Stadt geschehen.«

Ankunft und Abschied – verbannt unter die Erdoberfläche! Spontan fühlte ich mich an den deutschen Umgang mit dem Tod erinnert – auch der wird ja konsequent aus dem öffentlichen Leben ausgeklammert… Diese Querverbindung ist vielleicht zu gewagt – aber denkwürdig finde ich den Hinweis allemal. Zumal ich die »transitorische« Atmosphäre auf Bahnhöfen sehr genieße.

 

3 Kommentare zu “Ankunft und Abschied”

  1. martin meint:

    moment mal: er-fährt man kurz vor stuttgart nicht sogar schon durch die minutenlange tunnelfahrt so etwas wie “unter der stadt ankommen”? zugegeben favorisiere ich den neubau. meines wissens hat stuttgart bedingt durch die kessellage rechte platzprobleme. da kommt ein undergroundbahnhof gerade recht.
    die nord-süd-route hamburg – münchen wird von den chronisch verspäteten db-bediensteten in berlin ja auch im untergrund bedient. und das ist schon logistisch keineswegs eine schlechte lösung, da man durch das “ans licht” kommen diese nahtoderfahrung ja in jedem fall hat. daneben erinnere ich mich an einen sonntag abend in berlin zoo: permanent überfüllte fernbahngleise und eine umgedrehte wagenreihenfolge. gut, dass ich vorne einsteigen sollte und mit mühe und gepäck nur nach hinten kam.

  2. Christian meint:

    Für mich ist eher das Bahnhofsgebäude selbst ein Highlight (und davon bleibt ja einiges erhalten). Die Gleise hingegen – au weia. Ganz ehrlich: Ich freue mich darauf, dass dieses tote Gelände (zwischen HBf und Nordbahnhof) belebt werden soll. Das einzige, was mich an Stuttgart 21 massiv stört, sind die Kosten.

  3. Daniel meint:

    Yep – natürlich gibt es auch Argumente für das Projekt. Aber: Dass Stuttgart erst dadurch »europafähig« werde (so der werte Ministerpräsident nach dem Entschluss für den Bau) – ich weiß nicht so recht… Wenn Stuttgart 21 erst mal fertig ist, sattelt man vermutlich auf den Transrapid um, weil man immer noch nicht genug hat… ;-)

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