Angemessener Appell

9. November 2013

Ich bleibe dabei: Alice Schwarzer denkt ihre Ansichten konsequent zu Ende, ohne Angst vor Widerspruch aus den eigenen Reihen. Den von ihr mit initiierten Appell gegen Prostitution unterstütze ich aber nicht nur deshalb. Sondern weil das deutsche Prostitutionsgesetz von 2002 in etwa dieselben Schwierigkeiten mit sich bringt wie der in den 70er Jahren entwickelte § 218a des Deutschen Strafgesetzbuchs: Die Intention war durchaus gut. In der Praxis hat’s aber offensichtlich nicht funktioniert. Nach wie vor prostituiert sich nur ein Bruchteil von Frauen – und Männern! – aus freien Stücken. Die anderen bleiben fremdbestimmte Opfer. Fein raus sind höchstens die Zuhälter. Das muss nicht so bleiben.

 

5 Kommentare zu “Angemessener Appell”

  1. Sibylle Luise meint:

    Genau aus dem gleichen Grund unterstütze ich den Appell auch. Ich bin – obgleich durchaus bekennende Feministin – nicht unbedingt der größte Fan der guten Alice (deren Verdienste aber unbestritten sein sollen). In dem Fall bringt sie es aber auf den Punkt.

  2. Steffen meint:

    Prostitution ist kein Problem.
    Ein Problem sind die Rahmenbedingungen.
    Offiziell (also mit Gewerbeschein und Gesundheitsvorsorge etc.) gibt es im sauberen Deutschland 44 (kein Witz) Prostituierte.
    Ein Mann ist dabei.
    Inoffiziell sind es ca. 250.000- 300.000.
    Fast 15 Mrd. Euro werden dabei schätzungsweise illegal umgesetzt.
    Das Problem sind also vor allem die Kunden.
    Was, wenn man diesen Sumpf beginnt damit auszutrocknen, dass, wer Dienste einer/ eines nicht offiziellen Prostituierten in Anspruch nimmt und dabei erwischt wird, eine hohe Geldstrafe (ab 1500 €) zu zahlen hätte?
    So müssten die Kunden ein Interesse daran haben, dass alles mit rechten Dingen zuginge.
    Aber: Wer sollte das initiieren? Die meisten Machthaber und ihre Politiker sind schließlich Männer.
    Übrigens: Augsburg ist die Stadt mit den meisten Prostituierten;-)
    Das liegt aber vor allem daran, dass man dort etwas genauer hinschaut.
    Andere Städte können dazu nichts aussagen, weil sie nichts wissen.
    Hier liegt nach meiner Meinung also der Skandal.
    Nicht tabuisieren, sondern thematisieren und genau hinschauen.
    Ich wäre dafür, eben die Verantwortung vor allem den Kunden zu geben.
    Offiziell (mit Sozialversicherung. etc.) oder hohe Strafe.
    Für jeden Apfel gibt es ein Zertifikat, aber mit den Menschinnen in den Bordellen gehen wir um wie mit Dreck.
    Ihr Auto würden sicher weniger Menschen in illegale Hände geben;-)
    Ja, Gesetz im Ansatz gut, in der Durchführung bisher gescheitert.

  3. Steffen meint:

    Nachsatz:
    “Ja, eine Welt ohne Prostitution ist denkbar.” (Schwarzer)
    1. Woher hat sie diese (unstimmigen) Zahlen? (14,5 Mrd. stimmen in etwa, aber sonst übertreibt sie in Form einer Demagogin etwas.)
    2. Eine Welt ohne Prostitution wäre eine Welt ohne Menschen.

    Eine Welt mit einer “gerechten Prostitution” wäre denkbarer.
    Frau Schwarzer neigt da wohl zum eigenen Ideal und übersieht, dass das nichts mit dem menschlichen Wesen zu tun hat.
    Nicht die Prostitution bekämpfen, sondern gegen die Bedingungen angehen unter denen sie stattfindet, denn es gibt sie ja, die mündige Frau.

  4. Michael Molthagen meint:

    Bei der real existierenden Prostitution sehe ich auch noch das Problem, das da ein sexistisches wie auch ein rassistisches Weltbild unangetastet bleibt.

    Nur weil es einigen Frauen gelungen ist (in den seltensten Fällen wohl Frauen mit Migrationshintergrund, etwa aus Asien, Afrika, Lateinamerika oder (Süd-) Osteuropa), als “freiwillige Prostituierte” gut zu verdienen, muß man das Recht auf Prostitution wohl kaum verteidigen.

    Wie dem auch sei, ich kann dem Appell viel abgewinnen, weil legale Prostitution eben vor allem Zuhältern, Frauenhändlern und Freiern dient – aber nicht zu Prostituierten. Es nützt vor allem den Männern und gibt nur den Frauen eine Chance, die in einer sexistischen Welt ihren Mann stehen können.

  5. Steffen meint:

    Was, wenn es “real existierende” (schmunzel-sorry) Frauen gibt, die selbstbestimmt anschaffen gehen?
    Ist es dann nicht überheblich und (vor)verurteilend zu sagen: Das kann es nicht geben, weil ich es mir nicht vorstellen mag?
    Dazu gibt es übriges einen neuen Film von Francois Ozons: “Jung & schön”.
    Zu sagen “einigen Frauen aus Asien, Afrika etc…) gelungen ist…”, finde ich übrigens etwas schräg.
    Prostituierte = mein Bild einer Prostituierten?
    Einigen (guten und gebildeten deutschen, aber auch aus anderen Nationen) Frauen ist es nämlich auch gelungen, von ihren klar sexuell orientierten und allein auf geschäftlicher Basis existierenden Beziehungen, sehr gut, gut auch im Sinne von zufrieden, zu leben.
    Jesus übrigens sieht nicht in der Hure das Problem…und ich mit ihm auch nicht.
    Unser Problem scheint mal wieder die Doppelmoral zu sein.
    “Das tut Man/Frau nicht, denn es ist nicht das was unsere Gesellschaft als richtig empfindet.”
    Da -bei der Doppelmoral- anzusetzen macht für mich Sinn.
    Nach wie vor: Freier, die illegale Dienste in Anspruch nehmen, sollten kräftig dafür bluten müssen. Ein zertifiziertes Bordell mit Krankenvers.etc. profitiert, doch auch ein Autohändler etc. tut das. Das ist der Sinn von Unternehmen.
    Prostitution die zu einem “normalen” Beruf wird, rauskommt aus der Schmuddelecke, ist nichts anderes als ein Servicebetrieb.
    Ohne Prostitution möchte ich mir die verrückte Welt einiger (frustrierter)Männer nicht vorstellen. Wo gehen die dann hin?
    Doppelmoral treibt Menschen in die Schmuddelecke, nicht die Tatsache dass es den Sextrieb, oder die Einsamkeit nun mal gibt.
    Gott schuf Mann und Frau. Das es in der “real existierenden” Welt nun mal kaputte Beziehungen oder eben Menschen mit anderen Bedürfnissen gibt, das allerdings ist ihm sicher auch klar;-)
    Übrigens: Prostitution(und viele noch viel schlimmere Dinge) ist der Bibel nicht fremd.
    Was aber nicht vorkommt ist ein Gebot das da heißt: Du sollst lügen und betrügen und andere schamlos ausnutzen.
    Insofern sollten wir das gegenwärtige Bankwesen dann gleich mit verbieten;-)

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