Abschieds-Semester

4. November 2007

Die Greifswalder Organisatoren hätten vermutlich auch bei einer Beschwerde nicht eingelenkt – und so fand das Symposium »Kirche in der Postmoderne« doch tatsächlich Mitte Oktober statt, genau in der ersten Tübinger Semesterwoche. Eigentlich nicht besonders günstig – den Schwung der ersten Tage gilt es ja eigentlich zu nutzen…

Und doch: Es war ganz gut so. Mich hätten sie dieses Mal eher genervt, die typischen Fragen der »Erstis«, die während der ersten Tage in Scharen durch’s Theologicum rennen und ganz sicher auch mich gefunden hätten… (Typische Frage: »Entschuldigen Sie…können Sie mir sagen, wo der Seminarraum 1 ist?!« – Antwort: »Erstens…du darfst mich duzen – ich bin vier Jahre älter, aber trotzdem noch Student. Zweitens…du stehst drei Meter davor.«))

Nicht falsch verstehen! Genau dieselben Fragen habe ich damals auch gestellt (und mit beachtlicher Penetranz, wenn ich mich richtig erinnere). Und für die studienbegleitende Arbeit (die ja das Anliegen des »AgO« ist) habe ich nach wie vor ein großes Herz. Das AT-Übersetzungs-Tutorium, das ich seit zwei Wochen anbiete, macht richtig Spaß. Aber gleichzeitig merke ich: Mit dem Examens-Endspurt kündigt sich ein neuer Lebensabschnitt an, wenn man so will. Abschlussprüfungen und davor noch unsere Hochzeit. Wenn das kein Einschnitt ist…

Deswegen empfinde ich die letzten Monate in Tübingen als Abschieds-Semester. Was sich auch an meiner Art und Weise zeigt, Kontakte zu knüpfen: Wo ich mich vor einem Jahr noch interessiert auf jedes neue Gesicht gestürzt hätte, verdrücke ich mich rasch – so weh das manchmal tut. Selbst die (vielen…) Neuanfänger im Bengelhaus will (und kann!) ich nicht mehr alle kennenlernen (und das bedeutet ja weit mehr als nur den Namen zu wissen…). Keine halben Sachen mehr, das ist die neue Devise.

Jetzt, wo ich diese Zeilen in die Tastatur hämmere, komme ich mir lieblos und distanziert vor. Ob ich auch so wahrgenommen werde?! Wo ich noch persönlich mit Menschen zu tun habe ;-) , will ich diesen Eindruck nach Möglichkeit vermeiden. Im Zweifel sage ich halt, was Sache ist – und so hat dieser Beitrag auch ein klein bisschen Mitteilungscharakter…

 

4 Kommentare zu “Abschieds-Semester”

  1. Dave meint:

    ehrlich Worte – aber ich denke, dass es richtig so ist. Viel Erfolg und Segen bei allem Lernen und Hochzeitvorbereiten (das kann nämlich auch manchmal ein wenig..ääähhh…”stressig” sein ;-) ).

  2. Achti meint:

    Es ist das Anliegen von AgO den Weg zum Seminarraum zu zeigen? ;-)

    Spaß beiseite. Mir ging es letzte Jahr auch so. Ich hatte keine Kraft und auch kein Bock auf neue Kontakte. Besonders schlimm hatte es unser neuer Mitbewohner abbekommen. Lieblos kam ich mir da auch oft vor, und das war sicher auch nicht immer falsch (also der Eindruck).
    Sei froh, dass Du heiratest. Eine wesentliche Konstante bleibt so nämlich!

  3. Daniel meint:

    …bin ich froh, dass du den Beitrag nicht als Abwesenheits-Entschuldigung auffasst. Ist doch klar, dass ich jede freie Sekunde in diesen Blog stecke… ;-)

  4. Achti meint:

    Du bleibst Dir selbst treu. ;-)

Deine Meinung?!