Abendmahl – was geht?

27. Dezember 2007

Schon letztes Jahr habe ich Weihnachten zum Lesen genutzt. Dieses Jahr hatte ich mir solche Bücher vorgenommen, die sich schon seit mehreren Wochen und Monaten in »angefangenem« Zustand vor meinem Bett auftürm(t)en.

Zumindest mit einem Titel konnte ich abschließen – während mich sein Inhalt durchaus weiter beschäftigt: »Was geht vor beim Abendmahl?« von Michael Welker (Gütersloher Verlagshaus, ISBN: 978-3-579-06406-2).

Abendmahl – im universitären Umfeld weckt dieses Stichwort tendenziell Langeweile. »Abendmahl bei Paulus« ist eines derjenigen mündlichen NT-Examens-Themen, die man rasch »pauken« kann (kann!), ohne persönliches Interesse zu zeigen…und dann kann man sich auch getrost in lustlosen Diskussionen über die traditionsgeschichtliche Herkunft diverser Viertel- und Achtelverse verlieren. Im Kontext der Gemeindepraxis denke ich bei »Abendmahl« sofort an das unsägliche Württemberger »Appendix-Abendmahl«, von dem die Kirchenleitung mittlerweile deutlich abrät, das sich aber trotzdem hartnäckig hält: Während das gewöhnliche Fußvolk den Gottesdienst nach dem (ersten – minderwertigen?!) Segen verlässt, bleiben die besonders Frommen noch da…

Welker weiß um diese – und ähnliche – Schwierigkeiten. Er nennt sie einleitend unter der provokanten Überschrift »Ein Höhepunkt christlichen Lebens – oder eher "eine traurige Unterhaltung" (Kant)?«. Was ihm im Anschluss auf rund 200 (großzügig bedruckten) Seiten gelingt, ist eindrücklich: Exegetische Sorgfalt (u.a. wird auch die These von Otfried Hofius zur Abendmahlspraxis in Korinth erläutert). Ekklesiologische Weitsicht (ganz selbstverständlich werden z.B. Ansichten der orthodoxen Kirchen berücksichtigt – und überhaupt spielt die kirchengeschichtliche Vergangenheit eine große Rolle). Systematisches Interesse (immer wieder werden größere Zusammenhänge genannt, z.B. das Thema von Opfer und Sühne). Praktisch-theologische Relevanz (auch »heiße Eisen« wie die Frage nach der Zulassung von Kindern zum Abendmahl werden angepackt – und überraschend konkret beantwortet). Überraschende Einsichten (z.B. wird auf eine wichtige Gemeinsamkeit von Brot und Wein hingewiesen: Es handelt sich um Grundnahrungsmittel, die auf Gott zurückgehen, aber zugleich erst durch menschliche Kultivierung hervorgebracht werden).

Ein besonderes Extra: Jedes der zwölf Kapitel wird knapp und anschaulich zusammengefasst. Somit ist auch eine selektive Lektüre ergiebig.

Mich hat dieses Buch neu motiviert, das Abendmahl wirklich zu feiern – als letztlich trinitarisches Geschehen (vgl. Kapitel 12!) – und auch in der Gemeinde entsprechend zum Thema zu machen. Und einen Platz in meiner Top-Ten-Liste hat der Titel sicher.

 

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