1968 und heute

13. Februar 2007

Die Abschlusssitzung habe ich verpasst – aber es war trotzdem ein spannendes Seminar: »Die Geschichte des evangelischen Stifts und des Albrecht-Bengel-Hauses in den 60er und 70er Jahren«.

Es muss eine heiße Zeit gewesen sein damals. Das Time Magazine sprach mal vom »shaking of fundaments«. Mittendrin im Geschehen: Die Tübinger Theologie. Um ein Haar wäre es zur Spaltung einer ganzen Landeskirche gekommen…

Stattdessen wurde das Albrecht-Bengel-Haus gegründet – mit dem Ziel, Theologiestudierende bewusst zum Studium an der Universität zu ermutigen, dabei aber zusätzlich inhaltlich-geistlich zu begleiten. Damit trat man – teils explizit, auf jeden Fall aber unterschwellig – in »Konkurrenz« zum etablierten Evangelischen Stift.

Bis heute existieren beide Häuser – und sind vollbesetzt. Gut, dass die Zeiten der offen ausgelebten Feindschaft vorbei sind. (Selbige lebt nur beim traditionellen Fußballmatch wieder auf, einmal pro Semester.) Trotzdem – Unterschiede gibt es bis heute.

Diese nicht verschämt-harmonisierend zu verschweigen, sondern herauszuarbeiten und gerade in ihrem geschichtlichen Gewordensein zu verstehen – darum ging es jetzt in einer gemeinsamen Lehrveranstaltung. Gemeinsame Leitung: Prof. Drecoll (Ephorus des Stifts) und Dr. Hille (Rektor des Bengelhauses). Eine Premiere, die dringend fällig war. Und viele neue Erkenntnisse bot. Nicht zuletzt zahlreiche Zeitzeugen (aus beiden »Lagern«) haben für Spannung gesorgt. Gerne wieder!

Ich habe den Eindruck: Im Gespräch zwischen uns Studierenden fehlt oft noch die notwendige Offenheit. Warum nicht mal ehrlich über die »Knackpunkte« diskutieren? Meinetwegen den Dauerbrenner Hermeneutik?! Klar, dafür muss man sich persönlich outen – aber müssen wir das als Theologiestudierende nicht sowieso?!

 

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