»Christliche« Radio-Andacht

14. September 2008

Ich bin durch und durch Landeskirchler – und obwohl ich manche Seiten der Volkskirche kritisch sehe, verteidige ich ihre Chancen und Vorzüge bei jeder Gelegenheit. Aber: Für das, was tagtäglich als Radio-Andacht durch den Äther rauscht – in landeskirchlicher Verantwortung –, schäme ich mich manchmal regelrecht.

Abgesehen von einem unerträglich moralistischen Grundton scheinen sich die meisten Rundfunk-Andachten durch folgendes Charakteristikum auszuzeichnen: Bevor es zu einer einigermaßen bemerkenswerten Pointe kommt, bricht der Kommentar schlagartig ab. So auch letzten Donnerstag: Der 11. September jährt sich – also wird irgendeine (höchstens halbwegs bekannte) Persönlichkeit zitiert. Sinngemäß: »Die Gefahr des Terrorismus besteht nicht darin, dass die damit verbundene Gewalt besonders immens wäre. Auch den Umgang mit Naturkatastrophen oder Drogen haben wir ja eingeübt. Die Gefahr des Terrorismus besteht darin, dass wir im Kampf gegen ihn unsere Ehre verlieren.«

Eine allgemein-hohlere Aussage kann ich mir kaum vorstellen. Und ganz nebenbei: Was um alles in der Welt soll daran christlich sein? Ich hatte das mit der Ehre immer ganz anders verstanden…

 

Ein Kommentar zu “»Christliche« Radio-Andacht”

  1. Dave meint:

    Amen dazu. Was man da manchmal geboten bekommt ist ‘ne Katastrophe. Sollte man Schmerzensgeld verlangen und die Kolleginnen und Kollegen mal wieder auf Schrift und Bekenntnis ihre “Ehre” schwören lassen – aber das könnten sie wohl nicht mal.

    Abgesehen davon finde ich die Dinger oft auch homiletisch grauselig. Aber gut, das wäre noch zu verkraften, wenn wenigstens der Inhalt stimmen würde.

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