Wertvolle Mobilität

8. September 2009

Im Dunkeln, auf der Fahrt in unser spezielles Hotel, wirkte Dar-es-Salaam wie eine normale südeuropäische Hauptstadt. Einschließlich des samstäglichen Rush-Hour-Verkehrs mit seinen ganz speziellen Benimm-Regeln.

Aber dann gab es ihn doch – den kleinen, aber feinen Unterschied: In keinem (keinem!) der Autos war noch Platz. Kein klappriger (neunsitziger) Kleinbus mit weniger als elf Mitfahrern. Kein LKW-Führerhäuschen mit einer Besetzung unter drei Personen. Von den Ladeflächen mal ganz zu schweigen… (Und von den Fahrrädern! Ich hatte mich immer für einen robusten Radler gehalten. Jetzt weiß ich, dass ein Gepäckträger auch Regenfässer und lebende Schweine aushält…)

Tja. Ist das jetzt mutwillige »Verteufelung der individuellen Mobilität«? Oder schlicht und ergreifend die einzig logische Verhaltensweise in einem Land, in dem Mobilität noch etwas wert ist, in dem ein »Automobil-Club« nun wirklich eine Existenzberechtigung hätte – und dessen Straßenbeläge ich den verwöhnten europäischen Nobelkarossen von Herzen gönnen würde…?

 

2 Kommentare zu “Wertvolle Mobilität”

  1. Daniel meint:

    »… Schluss mit diesem Auto-Fetischismus! Auf den Schrott damit! Die Straßen den Menschen!« So extrem wie dieser Leserbrief-Schreiber im »Schwäbischen Tagblatt« sieht man es nun selbst in Tansania nicht…

  2. martin meint:

    …mittlerweile hat auch der adac mit mitfahrgelegenheit.de eine kooperation abgeschlossen ;-) . die frage ist natürlich beim transport von schweinen auf fahrrädern: wie lange hält das fahrrad die belastung von mensch und unbeherrschbarem tier (70+90kg) aus? und gibt es dann medizinische versorgung in form von (nicht nur) gelben hubschraubern? ;-)
    in gegenden, wo der nahverkehr noch nicht ausgebaut ist (z.b. bayern => hohe todesrate jugendl. verkehrsteilnehmer im bayer. wald oder dar-es-salaam), bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als auf mitfahrgelegenheiten zurückzugreifen.
    vielleicht ist es in der BRD ein nicht zu verachtendes gut, sich nach dem krieg einen gewissen wohlstandsstatus erarbeitet zu haben. das auto, als urdeutsches erfindergut à la carl benz, diesel und porsche darf da natürlich nicht fehlen. nicht zuletzt kommen gerade aus unseren landen ideen, die weiter reichen, als bis zur nächsten steckdose. es gibt dazu auch die meinung, dass mobilität zu gunsten der umwelt (verbrauchsarme antriebskonzepte usw.) in unserer umsonstgesellschaft auch ruhig was kosten darf…

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