Weinprobe und Gottesdienst

15. Juli 2009

Ein Freund aus meinem Vikariats-Kurs kennt sich mit Weinen aus. Und hat wiederum einen Freund, der sich noch besser auskennt. Der war gestern zu Besuch bei uns im Pfarrseminar – mit allen Zutaten für eine umfassende Weinprobe. Weil Judith – Weintrinkerin, ganz anders als ich – gerade auch in Birkach war, haben wir kurz vorbeigeschaut.

Ertappte mich plötzlich dabei, wie ich den geladenen Weinkenner mit offenem Mund anstarrte. Unglaubliche Fachkenntnisse, unverständliches Vokabular, eine mir völlig unbekannte Thematik. »Was hat das mit meinem Leben zu tun?«, fragte ich mich. Und gleichzeitig faszinierte mich die spürbare Begeisterung, die greifbare Liebe.

So, schoss es mir plötzlich durch den Kopf, könnte es manchen Menschen ergehen, die sich durch ihre Frau, einen guten Freund, Nachbarn usw. in unsere Gottesdienste verirren: Unglaubliche Fachkenntnisse, unverständliches Vokabular, eine völlig unbekannte Thematik. »Was hat das mit meinem Leben zu tun?« Und gleichzeitig: Spürbare Begeisterung, greifbare Liebe.

Letzteres kann ich als Prediger nicht machen. Hoffentlich bin ich vom Evangelium ergriffen – und dann kann ich das gar nicht verheimlichen. Und Ersteres? »Verständlichkeit ist messbar«, sagt Michael Herbst. Recht hat er.

Dass Weinproben nur einen bestimmten Personenkreis ansprechen, ist völlig in Ordnung – und gewollt. Von christlichen Gottesdiensten erwarte ich mehr.

 

3 Kommentare zu “Weinprobe und Gottesdienst”

  1. Achti meint:

    So, Daniel, ich gehöre seit heute wieder zu Deinen Abonennten.
    Warum?
    Unglaubliche Fachkenntnisse, Thematik hat mit meinem Leben zu tun. Anders als früher, als Beiträge zu Apple und KSC dominierten: Unbekannte Thematik, unbekanntes Vokabular, hatte nix mit dem Leben zu tun…

    Zur Sache:
    Von christlichen Gottesdiensten erwarte ich auch mehr, aber nicht von jedemm Einzelnen, von den Gottesdiensten in der gesamten Breite.
    Zielgruppenorientierte Gottedienste sind unverzichtbar.
    Und in einer Hochschulgemeinde wird ein andere Vokabular gepflegt als Loquard.

  2. Daniel meint:

    Danke für die nette – und geist-reiche! – Rückmeldung, Achti!

  3. Achti meint:

    Gerne doch.
    Vielleicht sind Emotionen bzgl. P- und KSC im Twitter besse raufgehoben. ;-)

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