Wahrnehmungsfrage

13. Oktober 2010

Das große Haus mit dem Turm heißt Kirche, und dort wohnt der liebe Gott, der heißt Jesus, man kann ihn aber nicht sehen. Dann wohnt dort noch ein lieber Gott, den man aber sehen kann, und der heißt Pfarrer.

…meint jedenfalls Roland, vier Jahre alt, zitiert von Michael Herbst. Und mit ihm vermutlich viele andere…

Witzig ist das nur auf den ersten Blick. Klar – ausgerechnet der evangelischen Kirche mangelt es am »Priestertum aller Glaubenden«. Wer und wie Gott ist, sollte man eigentlich am Reden und Handeln aller Christen ablesen können…

Und doch: Ist es in vielen Fällen nicht von Vorteil, dass gerade Pfarrerinnen und Pfarrer sofort mit »Kirche« bzw. »Gott« identifiziert werden? Mir hat das zum Beispiel schon häufig den Gesprächseinstieg erleichtert – bzw. ganz erspart.

Nikolaus Schneider und Volker A. Lehnert schlagen – in einem geringfügig anderen Zusammenhang und in Anknüpfung an Eberhard Mechsels – folgende Differenzierung vor:

Nach innen kann das Amt aufgefasst werden als Gabe Gottes, als Dienst des Hauptes des Leibes Christi an seinem Leib (Verkündigung, Sakramente, Seelsorge, Zurüstung), nach außen dagegen als Repräsentation des gesamten Leibes Christi in der Welt. In der gesellschaftlichen Öffentlichkeit steht die Pfarrerin oder der Pfarrer immer irgendwie für die gesamte Kirche.

Beteiligungskirche primär »nach innen«, nach aussen die »klassische« Konstellation – ist das ein sinnvoller Ausweg? Oder eine Sackgasse…weil noch nicht geklärt ist, welcher Seite man dann die (entscheidende) Masse der sogenannten »kirchenfernen Gemeindeglieder« zuschlagen soll?

 

Ein Kommentar zu “Wahrnehmungsfrage”

  1. knuuut meint:

    Das ist von unseren ekir (Evangelische Kirche im Rheinland) Oberen wiedereinmal brilliant formuliert: “In der gesellschaftlichen Öffentlichkeit steht die Pfarrerin oder der Pfarrer immer irgendwie für die gesamte Kirche.”

    Irgendetwas steht immer “irgendwie” für das Gesamte. Nur wie das gerade mit dem kirchenleitenden Handeln einer “presbyterial-synoda”l verfassten Kirche, die gerade keine “Bischöfliche Kirche” sein will in Einklang zu bringen ist, können sie nicht erklären.

    Und die rheinische Ordinationspraxis für Prädikanten (vollkommen gleichwertig und ununterscheidbar neben pastoraler Ordination) steht auch quer zu dieser Auffasssung von Pfarramt. Ich muss dieses Ding wohl doch mal lesen, wenn da noch mehr solche Schmankerl zu entdecken sind…

    Gruss nach #s21 near #bonn

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