Verschlamptes Kreuzzeichen…

9. März 2008

Sich bekreuzigen…neben multireligiös-abergläubisch angehauchten Fußballprofis machen das nur Katholiken. So zumindest die landläufige Meinung. Dachte ich auch. Dachte.

Ausgerechnet Martin Luther – der ja nun wirklich nicht als stromlinienförmiger Katholik gilt – hat seinen Morgen- bzw. Abendsegen folgendermaßen eingeleitet: »…magst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes …« Und tatsächlich: Auch als nüchtern-kognitiv geprägter Protestant empfinde ich das Kreuzzeichen als wertvoll. Es holt mich auf den Boden der Tatsachen zurück…und verbindet mich gleichzeitig mit einer Wirklichkeit, die ich im Alltag allzu oft aus den Augen verliere. Mit einbezogen werden dabei Kopf und Mund, Herz und Bauch ;-) , nicht zuletzt Schultern, Arme und Hände. Und eigentlich ist doch nichts so evangelisch wie eine konsequente theologia crucis

Was also haben wir mit dem Kreuzzeichen gemacht?! Im aktuellen »chrismon«-Magazin (02.2008) lautet die Erklärung folgendermaßen: »Vieles deutet darauf hin: Protestanten haben das Kreuzzeichen schlicht verschlampt!«

Beim gottesdienstlichen Segen mache ich neuerdings ein Kreuzzeichen. Nicht richtig, eher zaghaft. Beobachter denken wahrscheinlich, dass ich schon mal für’s Pfarramt übe. Diesen Eindruck möchte ich eigentlich vermeiden… Aber so richtig traue ich mich noch nicht…

Mich würde brennend interessieren, wie ihr das so hand-habt…?!

 

6 Kommentare zu “Verschlamptes Kreuzzeichen…”

  1. Dave meint:

    ich sehe das recht ähnlich wie du. danke für deinen beitrag. manchmal “ist mir danach”, mich zu bekreuzigen – aber ich tu es (meistens) nicht, weil es ja evtl. die anderen um mich rum stören könnte. ja ich weiß: das ist wie mit dem “hände hoch” bei den charismatikern…man hält sich zurück entweder aus scheu oder aus nächstenliebe. oder aus beidem. wie auch immer: wir sollten das kreuzzeichen wieder “für uns entdecken”. definitiv.

  2. Annette meint:

    Ich hatte über einen längeren Zeitraum mit einer “katholischen” Familie Kontakt, deren Kinder im Kommunionunterricht auch das Kreuzzeichen lernten. Ich hatte natürlich keine Ahnung, wie wichtig die Reihenfolge der Bewegungen auszusehen hatte und habe mich als braver Christ vor den Kindern ganz schön blamiert.
    Ich finde es grundsätzlich spannend, und auch in vielfacher Weise gut und sinnvoll alte Bräuche wieder für sich zu entdecken, aber mit manchen tue auch ich mich schwer. Da ich ursprünglich nicht aus der Landeskirche komme muss ich mir spätestens jetzt als Vikarsfrau endlich mal ein paar Rituale aneignen. Ich setze mich zum Beispiel jeden Sonntag sofort hin, ohne vorher im Stehen andächtig mein Haupt zu neigen. Ich vergesse es schlichtweg immer und das ist mir auch wirklich unangenehm.
    Diese Rituale sollen ja auch nicht zum Krampf werden. Wenn sie aber für mich eine tiefe Bedeutung haben fällt mir das Ganze bestimmt irgendwann leichter. Das Kreuzzeichen bedient für mich gefühlsmäßig noch zu sehr deine oben genannten Klischees, aber ich fände es trotzdem gut, wenn es auf natürliche Weise wieder mehr Einzug bei uns erhält.
    Ich bräuchte dann auch noch mehr Hintergrundwissen und haben Katholiken und Protestanten nicht einen anderen Bewegunsablauf bei dem Ganzen? Weiß jemand was darüber?

  3. martin meint:

    interessant ist, dass in der postmoderne eine sehnsucht nach spiritualität und/oder auch traditionen wächst. das buch zeitgeist von tobias faix zeugt davon. aber wir sehen es ja auch: promis pilgern über den jakobsweg, taizé ist überlaufen oder auch nur immer voll…irgendwie denke ich, haben wir unsere traditionen ein stück weit verloren. wir schaffen uns parallelwelten, die in den alltag nicht hineinpassen. mmh…komisch.

  4. Elisabeth meint:

    ICH KOMME GERADE VON DER HEILFEIER IN DER LEONHARDSKIRCHE IN STUTTGART: DORT WIRD JA BEIM SEGNEN UND SALBEN MIT ÖL AUF DIE STIRN UND IN DIE HÄNDE EIN KREUZ GEZEICHNET: ICH FINDE DAS EIN SEHR SCHÖNES SYMBOLISCHES TUN; DAS TIEFER GEHT ALS WORTE ALLEIN
    AUCH DAS HANDKREUZ AUS HOLZ; DAS ICH MANCHMAL AN PATIENTEN VERSCHENKE; FINDE ICH SEHR HILFREICH: ETWAS ZUM SPÜREN UND FESTHALTEN – GANZ HANDGREIFLICH – FÜR LEIB UND SEELE
    DAS KREUZZEICHEN BEIM GOTTESDIENSTLICHEN SEGNEN TRAUE ICH MIR AUCH NICHT SO RICHTIG ZU – ICH HABE ES IM VIKARIAT NICHT GELERNT:
    ELISABETH

  5. Daniel meint:

    Hallo Mama!

    Danke für deinen Beitrag…aber warum schreibst du alles groß?! Ist unsere Tastatur jetzt ganz hinüber?! ;-)

  6. Jona meint:

    Wir hatten das Thema im Konfirmanden-Unterricht schon thematisiert.
    Für mich ist das seither ein wichtiges Symbol geworden, auch wenn ich es auch nur “im stillen Kämmerlein” benutze.

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