Überdruck im Totenreich

4. April 2010

Wann genau siegt das Leben über den Tod? Wann genau beginnt Ostern?

Nach dem Matthäusevangelium: Schon am Karfreitag!

Jesus schrie noch einmal laut auf und starb. Da zerriss der Vorhang vor dem Allerheiligsten im Tempel von oben bis unten. Die Erde bebte, Felsen spalteten sich und Gräber brachen auf. Viele Tote aus dem Volk Gottes wurden auferweckt und verließen ihre Gräber. Später, als Jesus vom Tod auferweckt worden war, kamen sie in die Heilige Stadt und wurden dort von vielen Leuten gesehen. (Matthäus 27,50-53; »Gute Nachricht«)

Ja, ganz richtig gelesen: Schon vor der Auferstehung Jesu verlassen Menschen das Totenreich! Schon Jesu Tod bedeutet Leben! Ein irre (und deswegen so oft überlesene?) Vorstellung.

Mir ist die anschauliche Erklärung Klaus Bergers noch im Ohr: Im Totenreich herrscht Überdruck! Denn da kommt ja plötzlich einer, der den Tod gar nicht verdient hat. Einer, der gar nicht ins Totenreich gehört. Der Gerechte schlechthin stirbt – das ist die unmögliche Möglichkeit. Diese Schieflage bringt nicht nur die Natur ins Wanken. Auch im Totenreich bricht Chaos aus. Menschen, über die der Tod doch schon lange triumphiert hat, müssen freigegeben werden, quasi im Gegenzug. Akuter Mitgliederschwund. Kein Platz mehr im Totenreich. Oder eben: Überdruck…

Sichtbar wird dieses Ereignis dann erst mit der Auferstehung Jesu. Und auffällig, dass das Osterevangelium in Matthäus 28,1-10 einer ganz ähnlichen Struktur folgt: Wieder bebt die Erde. Wieder muss ein Felsen weichen. Wieder tut sich eine Grabhöhle auf. Wieder erscheint ein Auferstandener den Menschen. Und das Totenreich verliert auch seinen prominentesten Gast…

Da wird man doch glatt schadenfroh. :-) Gesegnete Ostern!

 

Ein Kommentar zu “Überdruck im Totenreich”

  1. Flori meint:

    Also des mit dem Überdruck find ich ein schönes und eindrückliches Bild!

Deine Meinung?!