Spiritueller Bypass

4. Oktober 2009

»Spiritualität von unten« – so heißt ein kleines Büchlein der Benediktiner-Mönche Anselm Grün und Meinrad Dufner. Ursprünglich hatte es seinen Platz in der Reihe der »Münsterschwarzacher Kleinschriften«, wo ich schon einmal sehr von Gedanken des »frühen« (!) Grün profitiert habe. Und auch diesmal lohnt sich die Lektüre.

»Spiritualität von unten« – trotz sprachlicher Anklänge an die »Berliner Erklärung« von 1909 ist damit nicht die Spiritualität der Pfingstbewegung gemeint. Sondern ein geistlicher Weg der (richtig verstandenen!) »Demut«, der um die eigene Schwachheit (inklusive der persönlichen Sünde!) weiß – und sich nicht durch überhöhte Ideale überfordert. Nach John Wellwood bedeutet das auch den Verzicht auf einen allzu raschen, glatten, linearen »spirituellen Bypass«:

Wellwood [...] spricht von »spiritual bypassing«, von spiritueller Abkürzung. Er versteht darunter »den Versuch, grundlegende menschliche Bedürfnisse, Gefühle und Entwicklungsaufgaben zu verleugnen oder vorschnell zu transzendieren« [...] Die Spiritualität von unten verlangt, daß ich mich auf meinem geistlichen Weg immer erst meiner eigenen Realität stelle [...] Sonst versuche ich, meine Schattenseiten zu überspringen und durch »spiritual bypassing« zu schnell zu Gott zu kommen. Es ist dann aber nicht der wirkliche Gott, sondern immer nur eine Projektion von Gott.

Leben, auch christliches Leben, findet in der Welt statt, hat also Kanten und Brüche. Das diskreditiert populäre Lieder wie »Immer mehr von dir« noch nicht! Jedes Lied ist in gewisser Weise einseitig, wie auch jeder Bibeltext. Aber auf die richtige Mischung kommt es an.

 

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