Ruinierte Pointe

31. Juli 2009

Ja – das Gleichnis »[v]on den anvertrauten Zentnern« (Matthäus 25,14-30) ist keine leichte Kost. Wie meinte eine Konfirmandin im Predigtgespräch so treffend: »Der Schluss ist schon ein bisschen arg hart.« Warum dieser unbarmherzige Umgang mit dem armen dritten Knecht? Erst bekommt er nur einen Zentner Silber (an Stelle von zwei oder gar fünf) – und dann warten statt Anerkennung für die sichere Verwahrung des Geldes (das immerhin nicht unnötig aufs Spiel gesetzt oder gar verzockt wird) »Heulen und Zähneklappern«.

In meiner jugendlichen Naivität als Berufsanfänger dachte ich nun immer, genau das sei der Gag der Gleichnisse Jesu: Sie rütteln uns auf, sind unbequem, teilweise unerträglich. Und ich war schon kurz davor, meine Predigt nächsten Sonntag mit dem drastischen Vers 30 enden zu lassen.

Doch wie gut, dass es Predigthilfen gibt. Darunter auch die Rubrik im renommierten »Deutschen Pfarrerblatt«. Zum genannten Text (Predigttext am 9. Sonntag nach Trinitatis – ich bin damit schon eine Woche früher dran) heißt es da:

In Zeiten der Finanzkrise möchte ich Mut machen, den Text etwas gegen den Strich zu bürsten. [...] Was hat der Knecht, der das eine Talent bewahrte, denn falsch gemacht? Er hat es immerhin nicht verloren!
Eine solch kritische Relektüre mag uns helfen, hinter dem Gleichnis noch eine andere Pointe zu entdecken und in Zeiten der Wachstumskrise jenseits aller quantitativen Vermehrungskünste vom verantwortungsvollen Umgang mit dem uns Anvertrauten zu predigen. Da gibt es genug: menschliches Leben, die Schöpfung, unsere Lebenszeit, das Leben unserer Kinder, unsere Gesundheit – und nicht zuletzt – die Liebe Gottes angesichts unseres täglichen Versagens. We gehen wir damit um? Schuldner sind wir allzumal.

…eine kreativ-fortschrittliche Auslegung? Oder einfach nur dreist?! (Keine Frage – es gibt Dinge, die wir einfach nur »bewahren« sollen. Aber davon ist, verdammt nochmal, in Matthäus 25,14-30 nicht die Rede!)

 

3 Kommentare zu “Ruinierte Pointe”

  1. Daniel meint:

    …die ersten Predigten für morgen gehen online. Nicht wenige scheinen den Beitrag im »Deutschen Pfarrerblatt« gelesen…und geschluckt zu haben. Grauenvoll…

  2. Achti meint:

    Was der letzte falsch gemacht hat?
    Er hat sehr wohl etwas verloren, wenn man die Inflationsrate berücksichtigt. Von der Kaufkraft her gedacht verliert das Gold an Wert.
    Deshalb die Devise: Stillstand ist Rückgang.

    Im Gegensatz dazu haben die beiden anderen traumhafte 100% Zinsen erwirtschaftet.

  3. Hans meint:

    …und mit dem Wissen um diesen Bibeltext wettert ein Wolfang Huber von der Kanzel gegen die berühmt-berüchtigten 25%. Das ist schon unglaublich dreist – ebenso wie die oben beschriebene “Auslegung”. DARAN besonders pikant: “In Zeiten der Finanzkrise[...]“. Als ob die Bibelauslegung dem Konjunkturverlauf folgen sollte!

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