Rückwärts-Rückhalt

29. September 2013

Mittlerweile bringt uns die Auto-Babyschale auch dann nichts mehr, wenn sie da ist: Unsere Tochter ist zu groß und zu schwer geworden. Also musste was Neues her.

Eher zufällig sind wir auf die so genannten »Reboarder« gestoßen – rückwärtsgerichtete Sitze, in denen Kinder bis zum dritten oder vierten Lebensjahr mit Blick gegen die Fahrtrichtung transportiert werden. In skandinavischen Ländern sind diese Systeme Standard, aus gutem Grund: Sie sind bis zu fünf Mal sicherer als die herkömmlichen Vorwärts-Sitze. Warum? Kleinkinder haben – im Vergleich mit dem Rest des Körpers – einen sehr schweren Kopf. Gleichzeitig sind Nackenmuskulatur und Wirbelsäule noch schwach. In Vorwärts-Sitzen wird nur der Brustkorb fixiert. Bei einem Frontalzusammenstoß – also bei den häufigsten und schwersten Unfällen – schleudert es den Kopf vehement nach vorne, nicht selten mit fatalen Folgen. Im Reboarder dagegen werden Körper und Kopf gleichermaßen in den Sitz gedrückt und weitaus schonender abgebremst.

An diesem ARD-Beitrag stört mich die drastische Rahmengeschichte (und: komplette Sicherheit gibt’s nicht!). Aber die entscheidenden Informationen stecken drin:

Ausgerechnet Auto-Vorzeige-Deutschland hinkt also noch hinterher. Mit diversen Nachteilen. Das geringe Angebot bedeutet zum Beispiel deutlich höhere Preise – mit bis zu 200 Euro mehr muss man rechnen. Aber Besserung ist in Sicht: Eine neue EU-Verordnung schreibt neuerdings vor, dass Kinder zumindest bis zum Alter von 15 Monaten rückwärts transportiert werden müssen (allerdings bei elend langen Übergangsfristen). In den jüngsten Tests schneiden Reboarder mit am besten ab (nur mein geliebter ADAC lässt sie nach wie vor weitgehend unbeachtet …). Und nicht zuletzt gibt es mehr und mehr Eltern, die im Internet von ihren guten Erfahrungen berichten. Hilfreich ist dabei vor allem die Plattform Reboard-Kindersitz.info – mit Forum und einer Deutschland-Karte, auf der man neben Händlern auch Personen findet, die ihre Reboarder-Sitze zum Testsitzen oder Testeinbau zur Verfügung stellen. Auch ein Exemplar in Stuttgart-Zuffenhausen steht da demnächst mit drin:

 

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