Patronenhülsen zu Kreuzen
11. März 2009Vier Wochenstunden Religionsunterricht – erst jetzt erschließt sich mir allmählich, was das konkret heißt, zumindest während der ersten Berufsjahre… Immerhin: Erfahrene, weit ältere Kolleg(inn)en berichten mir fleißig, dass sie »am Anfang genauso lange gebraucht haben für die Vorbereitung« – und später werde es besser… Wollen wir es hoffen! Freude macht es auf jeden Fall.
Auch heute vormittag waren es wieder einige Stunden am Schreibtisch – und wäre nicht der Anruf meines Ausbildungsmentors gewesen, hätte ich die Ereignisse von Winnenden, ganz in der Nähe, gar nicht so schnell mitbekommen. Den nahenden Konfi-Unterricht mussten wir aber gar nicht großflächig umgestalten – denn wir waren, so bitter das klingt, ohnehin tagesaktuell: Am nächsten Sonntag, im Vorkonfirmations-Gottesdienst, wird es um die Zehn Gebote gehen. Auch um das fünfte: »Du sollst nicht töten.« Heute war die letzte gemeinsame Vorbereitungsrunde. Im anfänglichen »Ruhepunkt« gingen heute kleine Metallkreuze von Hand zu Hand. Dass niemand unserer Konfis ihren ursprünglichen Zweck erriet, ist tröstlich: Originale Patronenhülsen sind es, umgeschmiedet zu Kreuzen von ehemaligen Kindersoldaten in Uganda.

Dass das Töten nicht nur in Afrika beheimatet ist, zeigt uns der Amoklauf von Winnenden. Und das zeigt uns die Warnung Jesu, dass das Töten schon viel früher beginnt, nämlich in unseren Herzen (Matthäus 5,21-26). So radikal gesehen, ist jede(r) von uns ein Amokläufer…! Jesus klingt hier aber nicht so, als könne man daran gar nix ändern…
Was für ein Versprechen, dass eines Tages alle Patronenhülsen dran glauben müssen – gemeinsam mit ihren Vorfahren, den Schwertern und Spießen:
Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Jesaja 2,4; vgl. auch Micha 4,3)
Auch Judith hat Winnenden zu spüren bekommen: Ihre Klinik-Abteilung ist »nebenbei« gerichtsmedizinisches Zentrum für den gesamten Umkreis. Nachmittags kamen 16 Leichenwagen vorbei. Jesaja und Micha berichten von einer Zukunftsvision, so viel steht auch fest.
Morgen nehme ich die Metallkreuze mit in die Schule…
Dieser Beitrag wurde auch bei »PastorBuddy« veröffentlicht.

12. März 2009 um 11.30 Uhr
…die »Patronen-Kreuze« kann man übrigens kaufen! Im Internet wird man via Suchmaschine rasch fündig.