Konsequent

5. Januar 2012

Mein biographischer Ersteindruck war durchweg positiv: »Ja oder Nein« mit Joachim Fuchsberger – und ihr als Rateteam-Mitglied – war von 1990 bis 1994 eine der wenigen Quizsendungen, die wir mit drei Programmen sehen konnten …

Grundsätzlich darf man Alice Schwarzer natürlich finden, wie mann will. Eins wird man ihr aber beim besten Willen nicht vorwerfen können: Inkonsequenz. Das zumindest ist mein Eindruck nach der Lektüre ihres knapp 500 Seiten starken »Lebenslauf[s]«. Was ich überzeugend finde: Auch mir fremde Meinungen werden so stringent begründet, dass sie nachvollziehbar werden für mich, auch in ihrer jeweiligen historischen Entstehung. Und: Schwarzer, die mehrmals explizit festhält, dass sich ihre Positionen nicht einfach mit denen einer allgemeinen »linken Szene« decken, hält ihre Prinzipien dann tatsächlich auch mal gegen den Trend fest: Mit derselben Konsequenz, mit der sie für das Recht auf Abtreibung kämpft (was ich selbst – auch im Blick auf die Verhältnisse in Deutschland vor 40 Jahren – nachvollziehen kann, aber in der Gesamtsicht trotzdem sehr kritisch sehe), prangert sie dann auch die Prostitution an (als Verknüpfung von Sex, Erniedrigung und Gewalt), … die so manch klassisch-»liberaler« Abtreibungsbefürworter auch mal schnell zur »Freiheit« des Menschen rechnet …

Zettel-Fan

3. Januar 2012

»Müssen Sie diese Nachricht wirklich ausdrucken?«, heißt es – ökologisch wertvoll – unter so mancher E-Mail. »Jaaaaa!« ruft es im selben Moment tief drinnen in mir. Und wenn gefordert wird: »Think before you print it!«, dann greife ich schon zum Notizblock, um mir die Anweisung aufzuschreiben …

Umgeschaltet

1. Januar 2012

Am 1. Januar ein Blick zurück … und einer nach vorne. Mit godnews.de.

Virtuelle Statistik

31. Dezember 2011

In den Gottesdiensten am Altjahresabend tauchen meistens ein paar Daten aus dem Gemeindeleben auf. Da ich heute Abend nicht am Mikrofon stehe und überdies Mitte Dezember den fünften Geburtstag dieses Blogs nicht begangen habe (was ich in früheren Jahren stets mit diversen statistischen Fakten kombiniert habe), reiche ich jetzt ein paar Beobachtungen nach:

  • Der Blog umfasst inzwischen 1.271 Beiträge (diesen hier nicht mitgezählt). Im Schnitt sind das 0,69 pro Tag. Fast derselbe Wert wie Ende 2009 … Doch, diese Form von Kommunikation – gegenüber den zahlreichen Mikroblogging-Möglichkeiten ja schon ein wenig verstaubt … – passt nach wie vor für mich.
  • Insgesamt 1.820 Kommentare bedeuten 0,99 pro Tag. Facebook lässt grüßen: Ein großer Teil der Rückmeldungen spielt sich inzwischen dort ab …
  • Mittlerweile waren knapp 200.000 Besucher hier – 108,irgendwas am Tag. Dieser Wert ist in den letzten beiden Jahren deutlich gestiegen. Wenn ich das mit meiner früheren Homepage vergleiche und ihren 70.000 Klicks in sechseinhalb Jahren …
  • … na dann: Von Herzen guten Rutsch! (Was ursprünglich Hebräisch ist – und einen guten »Anfang« wünscht.)

    Lebendige Lücken

    30. Dezember 2011

    »"Es begab sich aber …" Was begab sich eigentlich? Die Weihnachtsgeschichte dekonstruiert«.

    »Ausgerechnet die Weihnachtsgeschichte!« Wird so manchen Besucher(inne)n des »Offenen Foyers« im Stuttgarter »Treffpunkt Senior« kurz vor den Feiertagen durch den Kopf geschossen sein. Und tatsächlich gingen die Referenten Henning Hupe und Jan Rüggemeier gleich ordentlich zur Sache. Einem interaktiven Streitgespräch zwischen Roland Barthes und Jaques Derrida, dem Vater der Dekonstruktion, ließen sie eine Lesung von Lukas 2,1-20 folgen. Und die provokante Frage: Welche unserer klassischen Assoziationen findet sich eigentlich tatsächlich in diesem Text?

    … nicht so viel, zeigte sich. Einen dreckigen Stall zum Beispiel kennt Lukas nicht (vgl. auch die entsprechenden Hinweise von Martin Preisendanz). Ochs’ und Esel tauchen ebenfalls nicht auf. Die Hirten auf dem Feld haben wenig mit heutigen Hirten-Vorstellungen zu tun. Und so weiter, und so weiter.

    Ist das nun billige Kahlschlag-Theologie, im Stil eines Gerd Lüdemann? Gott sei Dank verließ niemand voreilig den Raum. Denn im Folgenden wurde immer klarer: Christlicher Glaube ist auffallend offen für den dekonstruktiven Umgang mit biblischen Texten. Ebendiese sind nämlich aus gutem Grund offen und unsystematisch. Sie enthalten zahlreiche Leerstellen – Bibliolog(inn)en würden vom »weißen Feuer« sprechen –, die es zu füllen gilt … und die auch zu füllen sind. Was wiederum hervorragend passt zu einer primär personal verstandenen lebendigen Wahrheit, die sich nicht auf starre Richtigkeiten festlegen lässt.

    Die Lücken der lukanischen Weihnachtsgeschichte lassen sich nicht nur in Bibliologen füllen. Vielversprechend ist auch der Blick auf den Rest des Lukasevangeliums. Da findet man nicht nur Ochs’ und Esel wieder (in Lukas 13,15). Es wird auch deutlich, dass dieser Jesus tatsächlich auch an die dunkelsten Orte gegangen ist (ein dreckiger Stall passt also ganz gut), dass er gerade mit Menschen auf der Schattenseite des Lebens Umgang hatte (eben auch mit den asozialen Hirten vor Bethlehem), … Unsere klassischen Assoziationen sind also nicht einfach hergeholt-bürgerlich. Auch unsere Vorfahren konnten die biblischen Lücken schon angemessen füllen. Was uns nicht aus der Verantwortung entlässt, selbst mit der Bibel zu leben.

    Leicht unpassend

    29. Dezember 2011

    Gegen ein Weihnachts-Präsent vom Bestattungsunternehmen habe ich grundsätzlich nichts. (Auch Staat und Kirche übrigens nicht: Im »ortsüblichen Maß« dürfen wir als Beamte auch Privat-Geschenke annehmen …)

    Der Kontrast zwischen der sehr seriösen Grußkarte …

    … und dem eigentlichen Geschenk war dann allerdings … zumindest ein wenig gewöhnungsbedürftig.

    (Eben erst fällt mir der Titel des Blog-Beitrags vor genau einem Jahr auf: »Kuriose Kombination« …)

    Geteilte Teile

    28. Dezember 2011

    Kurz vor der neuerlichen Weihnachtsgeschenke-Flut, Mitte Dezember, hielt die »ZEIT« fest:

    Laut einer Studie im Auftrag von eBay liegt in Deutschlands Schränken ungenutzter Hausrat im Wert von 35,5 Milliarden Euro herum. Jeder Haushalt hortet demnäch Gegenstände im Wert von 1013 Euro, die er nie braucht.

    (… ein Wert, der mir noch stark untertrieben scheint. Was ist zum Beispiel mit einmal und nie mehr gelesenen Büchern, die nur noch als Dekoration dienen?!)

    Im zugehörigen Leitartikel »Meins ist Deins« werden ausführlich neue Formen von Konsumverhalten vorgestellt. Ihnen gemeinsam ist die Idee, Dinge, die man per se nur selten verwendet, von vornherein nicht alleine anzuschaffen. Dem klassischen Häuslebauer Besitzer-Typ wird dabei eine aufkommende »neue Generation von Konsumenten« gegenüber gestellt. Diese

    stellt […] fest, dass sie oftmals gar nicht die Produkte will, sondern nur den Nutzen, den sie stiften. Nicht die CD, sondern die Musik, die diese spielt. Nicht die DVD, sondern den Film, der darauf läuft. Nicht die Bohrmaschine, die zeitlebens nur 6 bis 13 Minuten im Einsatz ist, sondern Löcher in der Wand.

    (… nebenbei wird dabei auch die ungenaue ADAC-Statistik von neulich präzisiert: Der Anteil der Autos unter den 18- bis 29-jährigen Männern ist von über die Hälfte auf gut ein Drittel gesunken.)

    Ich finde die Beobachtung hochspannend. Sollte die Zeit der materiellen Statussymbole tatsächlich zu Ende gehen? (Oder finden da lediglich Verschiebungen statt – vom Auto zum iPhone?) Persönlich interessiert mich auch, welche Art Konsument ich selbst eigentlich bin. Mit dem Trend zum Beispiel, E-Mails nicht mehr auf der eigenen Festplatte, sondern nur noch online verfügbar zu halten (was aus meiner Perspektive letztlich in dieselbe Richtung geht), tue ich mich immer noch sehr schwer …

    Glaube als Geduldsspiel

    27. Dezember 2011

    Zu meinen diesjährigen Weihnachtsgeschenken gehörte auch eine kleine Auswahl klassischer Geduldsspiele aus Metall. Das Prinzip ist immer dasselbe: Zwei ineinander verschlungene Teile sollen voneinander getrennt werden – und umgekehrt. Nach Möglichkeit ohne Anwendung grober Gewalt. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

    An einem Exemplar (das der Abbildung auffallend ähnlich sieht) verzweifelte sogar meine Frau (der sonst zwei, drei genaue Blicke genügen …). Und gleich mehrere Familienmitglieder hatten dann nur durch wildes Ausprobieren Erfolg: Die Metallteile werden irgendwie bewegt – und fallen plötzlich auseinander. Oft dauert das längere Zeit. Und im Nachhinein kann man gar nicht erklären, wie genau es denn nun geklappt hat. Die Lösung lässt sich also nicht reproduzieren. Trotzdem geht man beim nächsten Mal zuversichtlicher zur Sache.

    Ist es mit dem Glauben vielleicht manchmal ganz ähnlich? Es kann dauern, bis er sich im Leben bewährt. Was genau da passiert, kann man nicht erklären. Keine Erfahrung lässt sich reproduzieren. Und doch wächst die Zuversicht …

    Wirres Wechselspiel

    26. Dezember 2011

    Wenn endlich, dann richtig: Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten waren wir im Stuttgarter Opernhaus. Diesmal tatsächlich in einer Oper: »Figaros Hochzeit« – bzw. (die Stuttgarter Inszenierung kommt in Originalsprache und deutschen Übertiteln daher) »Le nozze di Figaro« von Wolfgang Amadeus Mozart. Vorab: Die Inszenierung ist klasse.

    Zu Kindertagen war mir das Stück schon mal sehr vertraut gewesen: Der »Holzwurm der Oper« – mit der knarzigen Stimme Ilja Richters und unterstützt durch seine Gefährtin Motte aus dem Kostümfundus – hatte mich damals ausführlich in Handlung und Musik diverser Mozart-Opern eingeführt (die teils nicht arg kindgemäßen Inhalte hin oder her). Und obwohl sich die entsprechende Kassette vorher nicht mehr auftreiben ließ (nachträglich bekam ich dann gleich fünf Folgen der Serie auf CD zu Weihnachten …), kamen mir doch erstaunlich viele Details wieder in den Sinn. Da war es auch nicht weiter tragisch, dass sich das skurrile Versteckspiel von Page Cherubino und Graf in Susannas Zimmer bei den Stuttgartern nicht rund um einen Lehnstuhl, sondern auf der Toilette abspielt …

    Verwirrend bleibt das Finale mit seinen bizarren Vertauschungen und Verwechslungen. Wie war das jetzt nochmal genau? Die Gräfin verkleidet sich als Susanna. Trotzdem macht sich Cherubino – der sich eigentlich in die Gräfin, darüber hinaus aber in alle Frauen verguckt hat – an sie ran. Das wiederum gefällt dem Grafen nicht, der mit Susanna verabredet ist. Seine Ohrfeige trifft versehentlich nicht Cherubino, sondern den ebenfalls auf der Lauer liegenden Figaro. Letzterer will die Gräfin über die Pläne von deren Gatten informieren, gerät dabei aber an seine Frau Susanna, die in den Kleidern der Gräfin unterwegs ist. Als er seine Braut erkennt, spielt er das Spiel mit, schmachtet vor der vermeintlichen Gräfin – und freut sich über die Ohrfeigen seiner empörten Frau. Denn die sind – wie sagte es noch der Holzwurm so schön – »Zeichen der Liebe« …

    Neue Welt

    24. Dezember 2011

    Das diesjährige Weihnachts-Wort kommt von einem Meister seines Fachs, … der aber vor dem Kind in der Krippe nicht »groß«, sondern »dankbar und fröhlich« sein möchte – und so in aller Finsternis Gottes neue Welt entdeckt. Dieser Grundimpuls in Karl Barths Radiobeitrag von 1960 (im digitalen Karl Barth-Archiv zu finden) bleibt aktuell, finde ich.

    Gesegnete Weihnachten euch allen.