Konsequent

5. Januar 2012

Mein biographischer Ersteindruck war durchweg positiv: »Ja oder Nein« mit Joachim Fuchsberger – und ihr als Rateteam-Mitglied – war von 1990 bis 1994 eine der wenigen Quizsendungen, die wir mit drei Programmen sehen konnten …

Grundsätzlich darf man Alice Schwarzer natürlich finden, wie mann will. Eins wird man ihr aber beim besten Willen nicht vorwerfen können: Inkonsequenz. Das zumindest ist mein Eindruck nach der Lektüre ihres knapp 500 Seiten starken »Lebenslauf[s]«. Was ich überzeugend finde: Auch mir fremde Meinungen werden so stringent begründet, dass sie nachvollziehbar werden für mich, auch in ihrer jeweiligen historischen Entstehung. Und: Schwarzer, die mehrmals explizit festhält, dass sich ihre Positionen nicht einfach mit denen einer allgemeinen »linken Szene« decken, hält ihre Prinzipien dann tatsächlich auch mal gegen den Trend fest: Mit derselben Konsequenz, mit der sie für das Recht auf Abtreibung kämpft (was ich selbst – auch im Blick auf die Verhältnisse in Deutschland vor 40 Jahren – nachvollziehen kann, aber in der Gesamtsicht trotzdem sehr kritisch sehe), prangert sie dann auch die Prostitution an (als Verknüpfung von Sex, Erniedrigung und Gewalt), … die so manch klassisch-»liberaler« Abtreibungsbefürworter auch mal schnell zur »Freiheit« des Menschen rechnet …

 

6 Kommentare zu “Konsequent”

  1. birgit meint:

    Ich kann ihr einfach nicht verzeihen, dass sie für BILD arbeitet. Und dass sie Schwierigkeiten hat, andere Feminismen als den ihren zu akzeptieren (z.B. sexpositiven) – das finde ich hochproblematisch. Wichtig bleibt sie.

  2. Daniel meint:

    Hmm … was ist denn ein “sexnegativer” Feminismus? Die Sicht, dass (heterosexueller) Sex per se mit Erniedrigung von Frauen einhergeht?!

  3. birgit meint:

    Oh – Du hast ja geantwortet:-)
    Das Wort “sexnegativ” gibts glaub so nicht als Selbstbezeichnung. Tatsächlich steht aber Alice Schwarzer eher in der von Dir beschriebenen Tradition – siehe auch die PorNo-Kampagne und so. Das ist okay und (historisch) erklärbar, aber für jüngere Frauen nicht mehr so leicht nachvollziehbar.

  4. Daniel meint:

    OK. Wobei der “PorNO”-Kampagne doch hoffentlich auch viele jüngere Frauen zustimmen, oder?!

  5. Lisa meint:

    Nö.
    Es gibt außer dem Youporn-Hardcore Unfug auch sehr hübsche Filme. Und einen feministischen Pornofilmpreis: http://poryes.de/

  6. Berta B. meint:

    Wenn ich immerzu diesen Unsinn lesen muss von wegen Alice Schwarzer sei “sexnegativ”. Sowas kann nur jemand behaupten, der weder etwas von ihr gelesen hat, noch die EMMA kennt. Die letzten Dossiers zum Thema Sex darin sind klasse! (zum Beispiel über die KLitoris in einer der letzten Ausgaben). Wenn Sexualität mit Erniedrigung von Frauen und Gewalt verknüpft wird (wie in den meisten Pornos der Fall) kann ich daran nix “sexpositives” finden.

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