John
14. September 2009
John ist zwölf. Zumindest sagt er das. Zu seinem beeindruckenden Englisch würde es passen. Dem Äußeren nach schätze ich ihn aber eher auf zehn. Gemeinsam mit zwei Freunden begrüßt er uns in Chitimba, am Ufer des wunderschönen Malawisees. Wir schließen ihn sofort ins Herz – da ist irgendwas Herzliches, Unverfälschtes. Und auch als sich die freundlichen Willkommensworte schlussendlich (nach einer gemeinsamen Bade-Session) als Auftakt zu einer pfiffigen Verkaufsveranstaltung entpuppen – im Angebot sind hübsche geschnitzte Schlüsselanhänger aus Ebenholz, auf Wunsch auch mit unseren Namen versehen –, nehme ich ihm das nicht übel. Und soll ich jetzt mühsam nachforschen, ob die – teils etwas verdächtig klingenden – Informationen zu Johns Familie wirklich alle der Realität entsprechen?!

Die Entscheidung müssen wir trotzdem treffen: Schlagen wir zu (afrikanische Preise sind für Europäer fast immer ein Schnäppchen) – und riskieren wir es, dass diese Kinder die Schule schwänzen…weil sich mit Touristen schnelleres (aber langfristig unsicheres) Geld verdienen lässt? (Diese Warnung hatten uns Einheimische an der Campingplatz-Einfahrt mit auf den Weg gegeben – allerdings auch nur, um uns ihre Schlüsselanhänger anzudrehen…) Andererseits: Wer bin ich, dass ich wüsste, was jetzt »richtig« ist für John? Ich bin hin- und hergerissen. So oder so habe ich das Gefühl: John wird seinen Weg gehen. Und Gott auch. (John ist katholisch – und in Afrika ist so was kein Lippenbekenntnis.)

15. September 2009 um 13.21 Uhr
Dein Erlebnis hat mich sehr angesprochen. Ich war auch schon in ähnlichen Situationen und habe im nachhinein gemerkt, dass ich in solchen Situationen meine Prinzipien habe (z.B. ich gebe einem Straßenkind kein Geld, weil ich sonst sein Sein auf der Straßen bestätige und verhindere, dass es in ein Kinderheim geht) die mir keine alternativen Handlungen zuließen. Diese Überzeugungen haben mir Sicherheit gegeben. Aber dadurch habe ich mich in eine Stellung gebracht zu wissen, was “richtig” ist und war auch nicht mehr spontan anders zu reagieren (mich von Gott anders leiten zu lassen).