Internes Fußballspiel

27. September 2009

Ein zweiwöchiger, intensiver und interessanter Seelsorge-Kurs liegt hinter mir. Ein Impuls hat mich besonders beeindruckt. Mein Tipp: Es liegt an der eindrücklichen Fußball-Metaphorik.

»Es wohnen zwei Seelen in meiner Brust.« »Ich muss mit mir zu Rate gehen.« »Ich bin uneins mit mir.« »Ich fühle mich hin- und hergerissen.« Redewendungen dieser Art erlauben die These, dass jeder Mensch – also andere Menschen, aber auch ich selbst – eine Art »Inneres Team« darstellt, aus verschiedenen »Spielern« besteht, die unterschiedliche Positionen einnehmen und sich mit verschiedenen »Stimmen« zu Wort melden.

Natürlich hat dieses Modell diverse theoretische Hintergründe. Einleuchtend finde ich es aber vor allem deswegen, weil es sich mit der praktischen Erfahrung deckt…und zum Beispiel die folgenden konkreten Situationen (einigermaßen) verständlich macht:

  • Entscheidungen fallen uns vor allem dann schwer, wenn unterschiedliche Spieler in unserem Innern verschiedene Ziele verfolgen – und in etwa gleich stark sind…

  • Je nach Situation bevorzugen wir mit unterschiedlichen Mannschaftsaufstellungen: Mal präsentieren wir die Offensive, mal die Defensive. Mal geben wir uns kämpferisch, mal bevorzugen wir eine spielerische Taktik.

  • Als »Oberhaupt« kann es passieren, dass wir uns mit unterschiedlichen Teammitgliedern identifizieren – mal bewusst (aktiv) – wenn wir zum Beispiel die Erfahrung gemacht haben, dass der rechte Außenstürmer immer die entscheidenden Treffer schießt –, mal unbewusst (passiv). Dabei werden automatisch andere Spieler in den Hintergrund gedrängt, …

  • … die sich dann entsprechend vernachlässigt fühlen.

  • Manchmal braucht es Zeit, die eigentlichen inneren Konflikte zu durchschauen und die direkten Gegenspieler auszumachen…was dann aber die Lage deutlich transparenter macht.

  • Mit unterschiedlichen Menschen komme ich unterschiedlich aus. Ganz klar – ich begegne ja immer einem komplett neuen Team…
  • Das alles passt in meinen Augen auch gut zu Römer 7, wo Paulus das Spannungsfeld des Menschen zwischen Gott und Sünde, dem Guten und dem Bösen beschreibt. Wir sind nie vollkommen ausgeglichen – und nie vollkommen frei. Entscheidend ist es, als Team dem richtigen Trainer zu gehören.

     

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