Gewinnende Liebe

20. Mai 2012

Eine Art Appetizer habe ich ja »neulich« schon angeboten, vor ziemlich genau einem Jahr. Rob Bell gibt übrigens auch selbst ein paar Ein-Blicke in sein Buch »Love Wins«, zu deutsch: »Das letzte Wort hat die Liebe«:

Dass diese Sicht der Dinge nicht nur Zustimmung hervorrufen würde, war schon vorher klar. Das postwendend veröffentlichte Gegen-Video ist aber nicht nur wegen seiner inhaltlichen Entgegnungen interessant. Je länger es läuft, desto deutlicher wird: Der zunächst pfiffig wirkende Konter geht eher nach hinten los. Die Machart des ursprünglichen Films passt nämlich nicht so recht zu den re-aktionären Statements seiner Kritiker … Bell geht es um einen allumfassenden theologisch-kulturellen Wandel, der – innerhalb der »evangelikalen Szene« – neue An-Fragen möglich macht.

Die Flut der Diskussionsbeiträge ist schier unübersichtlich, lohnt sich aber. Ich belasse es an dieser Stelle bei der für mich persönlich entscheidenden Frage: Welche exakte Motivation steckt eigentlich hinter einer radikalen Ablehnung der Möglichkeit (!) von Allversöhnung bzw. Allerlösung? Geht es da um eine differenzierte Interpretation der vielstimmigen biblischen Texte? Da bin ich sofort mit dabei! Und da darf man es sich nicht zu billig machen. Oder steckt letztlich ein ganz ärmliches Bild von Glauben dahinter (Bell spricht – in Anlehnung ans »Eintrittskarten-Evangelium und den älteren Bruder im Gleichnis »Vom verlorenen Sohn« – vom »Evangelium der mageren Ziege«)? Nach dem Motto: Ein christliches Leben voll von Opfer und Entbehrung muss einen doch zumindest in den Himmel bringen (und die anderen nicht) …

Im aktuellen »ichthys« – ichthys 28|1 – ist derweil ein E-Mail-Austausch zum Buch erschienen, von Kolja Koeniger und mir. Wärmste Empfehlung!

 

4 Kommentare zu “Gewinnende Liebe”

  1. Rolf meint:

    Wie kommt man an den Mail-Austausch ran?

    LG,
    Rolf

  2. Daniel meint:

    … über die »ichthys«-Seite (http://ichthys.agorax.de) lassen sich auch Einzelhefte bestellen …

  3. Gerald meint:

    Die Polemik des zweiten Videos ist ja nicht zum Aushalten. Erinnert mich aber an einen Podcast von BR 2 Evangelischen Perspektiven über Martin Niemöller. Da ich keinen Link dazu im Internet finde, hab ich die Passage mal schnell transkribiert (sorry, ich bin kein Theologe, hab sonst keine Quellen :) . Es handelt sich um einen O-Ton von Martin Niemöller über einen Alptraum, den er hatte:

    “Ich sah nachts im Traum vor mir eine unglaubliche helle Wolke, und aus der Wolke kam eine Stimme, die aber nicht an mich gerichtet war, sondern an jemand, der links hinter mir stehen musste. Und die Stimme sprach: ‘Hast du etwas zu deiner Entschuldigung zu sagen?’ Und die Antwort hieß: ‘Ja, mir hat niemals jemand das Evangelium gesagt.’ Und ich erschrak bei dieser Antwort, denn es war die Stimme von Adolf Hitler. Und ich wachte schweißgebadet auf, weil ich wusste, die nächste Rede aus der Wolke, die kommt an dich und wird die Frage bringen: ‘Warum hast du ihm das Evangelium nicht gesagt, du bist doch einmal mit diesem Mann zusammen gewesen.’”

    Wieso nur, kann ich das aus dem Munde Niemöllers hören, wo es mir bei diesem “Justice”-Pharisäer den Magen verdreht? Vielleicht, weil es bei Niemöller nicht nur fromme Floskeln sind, sondern aus seinem Erleben mündet? Aus seinem Wunsch nach Versöhnung? Seinem Aufschrei nach Gnade statt Gerechtigkeit? Nach Liebe?

  4. Daniel meint:

    … danke!

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