Geliebte Feindbilder

20. Oktober 2007

Heinzpeter Hempelmanns Vortrag (die Wiederholung des exakten Titels erspare ich allen Lesern…) hatte auch gestern noch heftige Nachwirkungen. Rein zufällig (natürlich) belauschte ich eine (beim Abendimbiss) engagiert geführte Diskussion des Referenten mit einer Zuhörerin.

Der Streitpunkt: Die Rolle Friedrich Wilhelm Nietzsches. Ob Genie, ob Wahnsinniger – der berühmte Philosoph des 19. Jahrhunderts dient klassischen Atheisten bis heute als Zeuge Nummer 1. Und da liegt das Problem, so Hempelmann: Was Nietzsche entwirft, ist nämlich alles andere als ein klassischer, »moderner« Atheismus, sondern viel, viel radikaler. Der »tolle Mensch« in der »Fröhlichen Wissenschaft« entwirft einen Weltdeutungshorizont, in dem nicht mal mehr die Existenz Gottes klar geleugnet werden kann, sondern in dem schlicht überhaupt keine Aussage über Gott mehr möglich ist.

So manche »moderne« Christentums-Kritik schießt damit glatt ins Leere. »Über die "Argumente" eines Richard Dawkins könnte Nietzsche nur lachen!«

Aber genauso schießt eine christliche Apologetik ins Leere, die es in jahrzehntelangen Auseinandersetzungen eingeübt hat, Nietzsche als glasklaren »Gottesleugner« zu betrachten und zielgenau abzuschießen – in der Meinung, damit gleichzeitig die entscheidenste Anfrage an den christlichen Glauben gebändigt zu haben. So entschieden wir manche Feindbilder bekämpfen, so sehr haben wir uns auch in sie verliebt, fürchte ich.

Da kann dann auch nicht gewürdigt werden (jetzt rutsche ich wohl ins Polemische ab…), dass Hempelmann bei Nietzsche auch auf höchst überraschende Aussagen stößt: Jesus – das »leibhafte Evangelium der Liebe«. Jesus – reine Zuwendung, ohne Begriff, Vorurteil und Abgrenzung. Jesus – Wahrheit, die Liebe ist. Jesus – Verzicht auf Selbstbehauptung. Unglaublich, wie hier gerade beim »Vordenker der Postmoderne« das Evangelium aufblitzt. Nicht flächig, sicher auch nicht in alle Texte hindurch. Aber doch so, dass es mir Mut macht, den christlichen Glauben auch jenseits der klassischen Denkmuster zum Thema zu machen – und alte Feindbilder gelassen loszulassen.

…ich kann es mir nicht verkneifen, kurz aber präzise auf die Tatsache hinzuweisen, dass Hempelmann auch bei der diesjährigen Marburger Tagung referiert. Ich freu’ mich drauf!

 

19 Kommentare zu “Geliebte Feindbilder”

  1. Hufi meint:

    Geprägt von Hempelmann habe ich auch schon mal über Nietsche gebloggt:
    Nietzsche über Jesus. oder: die Erfüllung einer Prophezeiung und
    Nietzsche – Atheismus als Wagnis

    Zur Marburger Tagung sollte ich als Marburger Theologie-Student vielleicht auch mal kommen, oder?

  2. Daniel meint:

    Wow – danke für die Beiträge…!

    Und was die Marburger Tagung angeht: Klar! Gibt auch genügend Fahrgemeinschaften und so…wäre cool, wenn wir uns sehen!

  3. Ron meint:

    Der Jesus, den Nietzsche liebte, hat nichts mit dem Jesus zu tun, den uns das Neue Testament vorstellt. Der Jesus des Nietzsche ist sein Phantasieprodukt und tritt neben Zarathustra als Übermensch auf, der überkommene Kulturwerte umstürzte und darum untergehen musste. Der Jesus der Bibel ist für Nietzsche ein Fälschung.

    Nietzsche (KSA 13, NF 11 [365] November 1887 – März 1888): Das Christentum “ist an keines der unverschämten Dogmen gebunden, welche sich mit seinem Namen geschmückt haben: es braucht weder die Lehre vom persönlichen Gott, noch von der Sünde, noch von der Unsterblichkeit, noch von der Erlösung, noch vom Glauben, es hat schlechterdings keine Metaphysik nöthig, noch weniger den Asketismus, noch weniger eine christliche ‘Naturwissenschaft’ […]. Das gerade, was im kirchlichen Sinn das Christliche ist, ist das Antichristliche von Vornherein […]. Christlich ist die vollkommene Gleichgültigkeit gegen Dogmen, Cultus, Priester, Kirche, Theologie”.

    Nietzsche versteht Christsein als Zustand des “Himmelreiches in uns”, als Zustand der gegenwärtigen Seligkeit. Leider ist dieser nietzscheanische Jesus heute bei Postmodernen (oft unbedacht) recht beliebt. Die Umwertung alle Werte ist möglicherweise einfacher, als Nietzsche sich erträumte. ;-)

    Liebe Grüße, Ron

  4. Daniel meint:

    …danke für das Zitat!

    Die Sache bleibt natürlich komplex. Aber auch hier zeigt sich doch: Christliche Kritik an Nietzsche darf es sich nicht zu einfach machen. Diesen Denker erledigt man nicht auf die herkömmliche Art und Weise…sondern nur in einer wirklichen Rückbesinnung auf die Wahrheit Jesus Christus.

  5. Ron meint:

    Ja, die Sache ist komplex und erfordert in der Tat eine Rückbesinnung. Ich bin ganz Deiner Meinung! Allerdings kenne ich nicht sehr viele christliche Nietzscheinterpreten, die sich die Sache einfach gemacht haben.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Daniel meint:

    Na ja – vermutlich gibt es solche “Nietzscheinterpreten” wie Sand am Meer (ich war auch mal einer)…ist vielleicht ganz gut, dass sie nicht so bekannt sind, zumindest nicht außerhalb des “frommen” Sektors… ;-)

  7. Peter meint:

    Ich verstehe Ron. Nietzsche ist als Kritiker des Christentums berühmt geworden. Aber der Clou ist eben: er kritisiert – sehr scharf – das Christentum, aber: mit Christus kann er unheimlich viel anfangen. Ist das nicht fazinierend und auch provozierend?
    Wenn man sich die Passagen im “Antichrist” anschaut, dann muß man schon fragen, ob das nicht ziemlich die Pointe des NT trifft, ob hier nicht der Jesus zur Sprache kommt, an dem dem Johev soviel liegt.
    Wir Christen müssen aufpassen mit unseren Feindbildern; und wir müssen gucken, wo wir von unseren Kritikern etwas lernen können; und – wir dürfen uns freuen, wenn ihnen wichtig ist, was für uns im Zentrum steht.

  8. Ron meint:

    Lieber Peter,

    nochmal: Der Christus des Nietzsche ist nicht der des NTs! Es sein eigener Christus.

    Könntest Du bitte die Stellen nennen, an denen im Antichrist der lebendige Jesus sprechen sollte?

    Danke, Ron

  9. Peter meint:

    Lieber Ron,
    in aller Verbundenheit drei Bemerkungen:
    (1) Aussagen werden nicht wahrer durch Wiederholung. Ich wundere mich ein wenig, daß bei Dir erst die apodiktische Behauptung kommt: “Der Christus des Nietzsche ist nicht der des NTs!” – und dann erst die Rückfrage, wo man denn Nietzsches Aussagen zu Jesus im Antichristen findet. Kleiner Tipp: einfach das Original lesen, und dann sich ein Urteil bilden! Daniel bezieht sich übrigens auf einen Vortrag von mir, in dem ich die Thesen ausführlich begründe. Man kann diesen Aufsatz von meiner homepage herunterladen (“Kenotische Partizipation”).
    (2) Natürlich gilt: Nietzsches Christus ist – Nietzsches Christus. Wie sollte es anders sein :) ) MaW: Jede Bezugnahme auf das NT ist höchst individuell. Insofern hast Du natürlich Recht. Wir treffen bei Nietzsche auf Nietzsches Christusbild, bei mir auf mein Christusbild, bei Dir auf Dein Christusbild. Aber auch diese Einsicht hilft uns nicht so furchtbar weiter. :)
    (3) Entscheidend ist doch die Frage, inwiefern Nietzsche mit seiner Interpretation Züge des neutestamentlichen Christusbild aufnimmt. Es sei sofort zugestanden: das passiert aus meiner Perspektive, aber die ist natürlich nur begrenzt, nicht “100%”. Aber er trifft – in Aufnahme einer Auslegung, die ähnlich bei Dostojewskji und auch ein Stück weit bei Tolstoi zu finden ist, Züge des johanneischen und auch synoptischen Christus.
    Noch einmal zur Klarstellung meine Anliegen:
    - Nietzsche als Vordenker der Postmoderne verstehen und wenn möglich bei ihm profitieren, um postmoderne Menschen zu erreichen. Wenn er an einer Stelle etwas mit Jesus anfangen kann, ist das viell. eine Hilfe.
    - Methodisch: nach Möglichkeit nicht mit Vorurteilen arbeiten, die Wahrnehmung verstellen, sondern fragen, warum Menschen keinen Zugang zum christlichen Glauben haben und gucken, wie sie ihn gewinnen können.
    Liebe Grüße
    Peter

  10. Ron meint:

    Lieber Peter,

    danke für die Antwort, auf die ich gern kurz eingehe:

    zu (1): Wer sagt denn, dass ich den “Antichrist” nicht gelesen habe (so viel zu den Vorurteilen)? Mir ist im “Antichrist” nur Jesus nicht begegnet und ich würde gern erfahren, in welchen Abschnitten für Dich dort “Jesus zur Sprache” kommt.

    Danke für den Hinweis auf den Vortrag, den ich gern bei Gelegenheit lesen werde.

    zu (2): Mit meinem Hinweis, dass der Jesus des NT’s nicht der des Nietzsche ist, spiele ich nicht darauf an, dass der “Herr Meyer immer der Herr Meyer des Herrn Müller ist”. Im Blick habe ich, dass für Nietzsche der Jesus des NT’s ein Missverständnis und eine Verstümmelung ist (vgl. z.B. KSA, 6, 199). Die neutestamentlichen Autoren haben gemäß Nietzsche eine Jesusfigur erdichtet, die es so nicht gegeben hat und auch nicht gegeben haben kann. Der Jesus des Nietzsche hat sich für einen persönlichen Gott und die Vergebung von Sünden nicht interessiert. Das ist mein Argument: Der Jesus, von dem Nietzsche fasziniert war, mit dem er unheimlich viel anfangen konnte, ist ein von ihm selbst konstruierter Jesus, eben ein Jesus “der wirklichen Welt”. Der “christliche Jesus” ist nur “hinzugedichtet”.

    zu (3): Auch ich denke, dass Nietzsche Vordenker der Postmoderne ist. Vielleicht ist er sogar DER Vordenker. Er war in vielerlei Hinsicht genial und so in der Lage, die Krise der Moderne weit im Voraus zu sehen (und er wusste ja bekanntlich, dass man ihn erst später verstehen würde). Insofern stimme ich zu: Es ist ausgesprochen hilfreich, Nietzsche zu verstehen, um postmoderne Menschen zu verstehen. Die weitergehenden Schlüsse bleiben mir allerdings nach wie vor “verschlossen”. Bisher kann ich nicht sehen, dass bei Nietzsche das Evangelium aufblizt. (Aber vielleicht sollte ich den Vortrag lesen ;-)

    Ich halte mich gern an den Theologen Kaftan, der eindrücklich vor den Folgen der Nietzscheanischen “Herrenmoral” zu warnen verstand und zugleich Nietzsches Menschlichkeit, Klugheit und Ästhetik zu schätzen verstand. Er blieb im Dialog mit Nietzsche, um sich an ihm zu reiben und dadurch von ihm zu lernen. Und er erkannte – mitfühlend (!) – das Hauptroblem Nietzsches: seine abgrundtiefe Gottlosigkeit.

    Wie Du wahrscheinlich weißt, traf Kaftan im August 1888 in Sils noch einmal auf seinen Basler Kollegen. Bezugnehmend auf dieses Treffen erklärte er später:

    “Daß er es niemals fertig gebracht hat, das Christentum zu vergessen und sich darüber hinwegzusetzen. Er hat es immer wieder vernichtet. Was man immer wieder vernichten muß, dem bezeugt man damit selber seine unverwüstliche Lebenskraft. Vor allem dürfte sich hieraus das tragische Ende seiner Existenz erklären, der Wahnsinn … Dass er gottlos war, ohne Gott, daß er Gott verloren hatte, dass ist das tragische Geschick seines Lebens. Denn auf Gott war er gewiesen und nur in Gott hätte er das in ihm quellende, reiche geistige Leben zu einer harmonischen großen Lebensform gestalten können … Nietzsche ist … daran zu Grunde gegangen, daß er Gott schlechterdings zum Leben brauchte, aber den lebendigen Gott und den Weg zu ihm verloren hatte.”

    Im Anschluss an die täglichen Spaziergänge mit Kaftan begann Nietzsche mit seiner Arbeit am “Antichrist”. Mit fällt da eine Gedichtzeile ein, die Nietzsche in seinen jungen Jahren verfasste: “Wer das verlor, was du verlorst, hält nirgends mehr” (oder so ähnlich).

    Vielen Dank für den Dialog und liebe Grüße, Ron

  11. Daniel meint:

    Auch ich danke für den Dialog! Ein kleiner Hinweis meinerseits: Könnte es nicht sein, dass Nietzsche zwar der Ansicht war, mit »seinem« Christus gerade nicht den biblischen Christus zu treffen…dass er dabei aber eben doch Züge des biblischen Christus traf? Und wäre das nicht ein Signal dafür, dass die Bibel eben in kein Konzept passt, sondern gelegentlich auch ihre schärfsten Kritiker unbemerkt überholt?!

  12. Ron meint:

    Lieber Daniel, [lieber Peter]

    ich will das nicht ausschließen. Hast Du denn ein Beispiel, an dem Du Deinen Gedanken illustrieren kannst. Wo trifft Nietzsche den biblischen Christus besonders gut?

    Die nietzscheanische “Christologie”, die Peter entworfen hat und die er einer Kirche im Kontext der Postmoderne als Leitbild anempfiehlt, kann mich – das gestehe ich offen und ehrlich ein – nicht überzeugen.

    Ich vermute, Nietzsche wäre mit dieser “Christologie” ganz und gar nicht einverstanden, fühlte sich nicht ernst genommen. Wenn schon Nietzsche, dann der natürliche Nietzsche, der den Nazarener für einen Idioten hielt (KSA 6, 200), der nicht für die Schuld irgendwelcher Menschen, sondern für seine eigene Schuld starb (KSA 6, 198). Der Jesus des Nietzsche hatte keinen Ritus “für den Verkehr mit Gott mehr nötig – nicht einmal mehr Gebet. Er hat mit der ganzen jüdischen Buss- und Versöhnungs-Lehre abgerechnet” (KSA 6, 205). Mit dem Tod des Berg-, See- und Wiesenprediger starb für Nietzsche nicht Gottes Sohn, sondern ein durchaus ursprünglicher Ansatz zu einer buddhistischen Friedensbewegung (vgl. KSA 6, 215).

    Und was ist mit dem Christus des Neuen Testaments? “Dass man gut thut, Handschuhe anzuziehen, wenn man das neue Testament liest. Die Nähe von so viel Unreinlichkeit zwingt beinahe dazu. Wir würden uns ‘erste Christen’ so wenig wie polnische Juden zum Umgang wählen: nicht dass man gegen sie auch nur einen Einwand nöthig hätte … Sie richen beide nicht gut. – Ich habe vergebens im neuen Testmanent auch nur nach Einem sympathischen Zuge ausgespäht; Nichts ist darin, was frei, gütig, offenherzig, rechtschaffen wäre. Die Menschlichkeit hat hier noch nicht ihren ersten Anfang gemacht, – die Instinkte der Reinlichkeit fehlen … Es giebt nur schlechte Instinkte im neuen Testament, es giebt keinen Muth selbst zu den schlechten Instinkten. Alles ist Feigheit, Alles ist Augen-Schliessen und Selbstbetrug darin. Jedes Buch wird reinlich, wenn man eben das neue Testment gelesen hat” (KSA 6, 223–224).

    Eine gute Woche wünscht Euch, Ron

  13. Daniel meint:

    Hmm…aber wir würden doch alle darin übereinstimmen, dass Nietzsche dem Neuen Testament mit seiner negativen Beurteilung nicht gerecht wird. Und dass der eigentliche »Christus des Neuen Testaments« eben auch freundlichere Züge trägt – Züge, die Nietzsche nur am nichtneutestamentlichen Christus zu finden meinte. Aber stimmt – hier müsste man sehr konkret nach den diversen Zitaten schauen.

  14. Ron meint:

    Lieber Daniel,

    ja, schau Mal. Vielleicht findest Du ein paar gute Zitate.

    Liebe Grüße, Ron

  15. Sebastian Heck meint:

    Interessante Diskussion!
    Ich muss Ron zustimmen: weil für Nietzsche das Christentum “Platonismus für das Volk” ist und er es in seiner Metaphysikkritik rundweg als Weltflucht ablehnt, kann er in einer wie auch immer gearteten “Christologie” niemals an den biblischen Gott-Menschen Christus heranreichen, da er ja gerade den ersten Teil, die göttliche (außerweltliche) Identität Christi leugnen muss. Das “Jenseits” ist für Nietzsche eine Lüge, die das Christentum mit der Wahrheit verwechselt hat, um nicht in der (immanenten) “Realität” leben zu müssen. Diese strengen Kategorien zeigen, dass Nietzsche keinen Platz hat für einen immanent-transzendenten Gottessohn.

  16. Daniel meint:

    Zur Präzision: Es geht in der Diskussion – so wie ich sie verstanden habe – nicht darum, ob Nietzsches Christologie rundum »biblisch« ist – sondern um die Frage, ob wir bereit wären, einzelne Aspekte seiner Jesus-Sicht zu würdigen…und, allgemeiner gesprochen, ob wir eine zumindest partielle Gotteserkenntnis auch außerhalb des Christentums akzeptieren. Haben insbesondere wir »Frommen« die Größe dazu?!

  17. Sebastian Heck meint:

    Okay, das habe ich verstanden. Doch damit ist für mich die ganze Diskussion fehlgeleitet, denn wieso soll ich einzelne Elemente der Nietzscheanischen “Christologie” würdigen, wenn er m.E. gar keine solche hat! Da wäre für mich sinnvoller zu Fragen, ob wir einzelne Elemente seiner Religionskritik etc. würdigen können. (Ich frage doch auch nicht, ob wir einzelne Elemente von Hitlers Pazifismus würdigen können.)

    “…ob wir eine zumindest partielle Gotteserkenntnis auch außerhalb des Christentums akzeptieren.”
    Na, Daniel, damit machen wir aber ein ganz anderes Fass auf! Und wenn ich das dann auch präzisieren darf: die Frage nach eine natürlichen Gotteserkenntnis war niemals eine Frage nach Jesuserkenntnis, denn sie bezog sich zumindest traditionell lediglich auf die Erkenntnis Gottes des Schöpfers. Wenn wir eine “natürliche Jesuserkenntnis” postulieren, sind wir Schwärmer, Theosophen oder Esoteriker.

  18. Daniel meint:

    Stimmt – das Fass der »natürlichen« Theologie sollten wir allerdings nicht aufmachen. Ein Missverständnis, sorry.

    Hmm…geht es denn um die Frage, ob Nietzsche eine Christologie entwickelt (ob vollständig oder partiell)…oder nicht eher um die Frage, ob ihn einzelne Facetten Jesu, so wie wir ihn als biblisch beschreiben würden, tief fasziniert haben? Mehr würde ich gar nicht behaupten…und trotzdem würde ich das als Fortschritt empfinden. ;-)

  19. Tom meint:

    Hallo,

    ich hoffe, das ich als Erstsemestler hier nicht zu unangenehm auffalle ;-)

    Ron schreibt auf seinem Blog: “Während für Heinzpeter bei Nietzsche dort das Evangelium aufblitzt, wo er von Jesus fasziniert ist, vermute ich, dass der Jesus des Nietzsche mit dem Christus der Evangelien nicht viel zu tun hat.”

    Abgesehen davon, dass Ron das natürlich nicht nur vermutet, sondern feststellt, denke ich dass beide Recht haben, wenn man den jeweiligen Kontext betrachtet.

    Heinzpeter spricht doch im Kontext der Kommunikation des Evangeliums gegenüber dem postmodernen Menschen und wägt dabei den Nutzen von Nietsches Aussagen ab, die er im Abschnitt II nennt. Dieses Anliegen macht er hier etwas weiter oben auch noch einmal deutlich. Und in der Tat blitzt da so etwas wie Faszination für den vorbehaltlos liebenden Jesus durch.

    Ron dagegen betrachtet mehr das Gesamtbild, dass durch Nietzsches Aussagen über Jesus Christus entsteht. Ohne den konkreten Kontext der Kommunikation des Evangeliums. Und da hat Ron dann auch unbedingt recht. Ich denke aber, dass auch Heinzpeter hier nicht wiedersprechen würde.

    @Sebastian: [blockquote]…wieso soll ich einzelne Elemente der Nietzscheanischen “Christologie” würdigen[/blockquote].

    Imho, als Nachdenken über Möglichkeiten zur Kommunikation des Evangeliums im postmodernen Zeitalter. So hab ich es jedenfalls verstanden.

    Bye the way, in deinem Blog hast du einen Kommentar von mir bzgl. der doppelten Prädestination noch nicht freigeschaltet, da würde mich eine Antwort schon noch interessieren.

    Liebe Grüße
    Tom

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