Fraglicher Erfolg

12. Juli 2010

(…nein – das wird kein Beitrag zum neuen Weltmeister…)

Die Rede ist vom berühmten § 218a des Deutschen Strafgesetzbuchs. In den 70er Jahren entwickelt, 1995 zum letzten Mal überarbeitet, erklärt er den Schwangerschaftsabbruch – nach § 218 grundsätzlich rechtswidrig – in bestimmten Fällen für nicht strafbar. Diese paradox-einzigartige Verhältnisbestimmung reagiert u.a. auf frühere Missstände – u.a. eine hohe Dunkelziffer illegaler Abtreibungen in Deutschland –, und ist zunächst mal umfassend zu würdigen.

Bei näherer Betrachtung ergeben sich aber durchaus Rückfragen:

  • Die Rechtswidrigkeit der Abtreibung wird im Strafgesetzbuch nur indirekt ausgedrückt. Dabei dürften zwei praktische Argumente entscheidend sein: Nur auf diese Weise lässt sich eine Kollision mit der Pflicht zur Nothilfe verhindern (ansonsten müssten an Schwangerschaftsabbrüchen Beteiligte ebendiesen Schwangerschaftsabbruch aktiv verhindern!). Und: Rechtswidrige Taten dürften nicht von den Krankenkassen bezahlt werden…
  • Ich selbst habe erst im ersten Studiensemester von der diffizilen Rechtslage erfahren, in einem mehr oder weniger zufällig besuchten Seminar. Katastrophal ist das Ergebnis einer »chrismon«-Umfrage: 49 Prozent der Bundesbürger (sogar 63 Prozent der 14- bis 29-jährigen!) denken, Abtreibungen bis zum dritten Monat seien ohne Einschränkung erlaubt.
  • Insbesondere die Änderung von 1995 – die Verabschiedung des »Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetzes« – sollte eigentlich den Lebensschutz verbessern. Schlicht das Gegenteil ist der Fall, schaut man auf die nackten Zahlen.
  • Diese nüchternen Rückfragen sollen genügen. Spontan reizt es mich, weitere Bezüge herzustellen: Wie kann in einer Klinik ein Kind abgetrieben werden, wenn zwei Wände weiter ein Paar ihr lang ersehntes Baby bekommt? Passt § 218a nicht ganz gut zu anderen Skandalen im kinderfeindlichen Deutschland? Aber Polemik hilft hier nicht weiter. Denn eins ist klar, glaube ich: Die Zahl der Abtreibungen kann nicht gegen die werdenden Mütter und Eltern, sondern nur mit ihnen gesenkt werden.

     

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