Auch ohne Simons Stöckchen zum Thema »Fasten« aufzufangen (und dementsprechend ausführlich zu traktieren) – wäre doch schade, wenn der Beginn der Passionszeit am (Ascher-)Mittwoch morgen gar keine Auswirkungen hätte (vom Karneval-, Faschings-, Fasnets- oder Wie-auch-immer-Trubel habe ich – glücklicherweise – sowieso nix mitbekommen)…

»Sieben Wochen ohne«, die »offizielle« Fastenaktion der evangelischen Kirche, habe ich schon in den letzten beiden Jahren als sinnvolles »Sprungbrett« empfunden – ohne das jeweils vorgeschlagene inhaltliche Motto peinlich genau zu berücksichtigen.
Vor zwei Jahren, 2006, habe ich auf Süßigkeiten verzichtet. (Was angesichts meines Gemeindepraktikums – inklusive Hausbesuchen – gar nicht soooo leicht durchzuhalten war…aus geradezu seelsorglichen Gründen fühlte ich mich irgendwann gezwungen, Kuchen von der Regelung auszunehmen…)
Letztes Jahr, 2007, bin ich konsequent vor Mitternacht ins Bett gegangen. Kann mich erinnern, dass ich nicht bis zum Schluss durchgehalten habe – und dass ich dann sofort wieder unausgeglichener war…
Dieses Jahr vollziehe ich einen weiteren Schritt hin zum – von Judith penetrant oft angesprochenen, aber nichtsdestotrotz utopischen – Ziel des total Internet-Boykotts: Ich werde versuchen, täglich erst ab 18.00 Uhr emails abzurufen (und zu beantworten). Das hat nichts mit plötzlicher Kontaktscheue oder so zu tun. Vielmehr merke ich, dass die ständige Erreichbarkeit auch suchtähnliche Symptome mit sich bringen kann…und dass es einfach Zeit kostet, quasi jede eingehende Nachricht einzeln zu lesen und zu beantworten. Häufig unterbricht mich das bei Arbeiten, für die ich eigentlich konzentriert bleiben müsste. Das Zitat eines Professors ist mir unvergessen: «Den Vormittag lasse ich mir vom Computer nicht nehmen.« Und für die nächsten sieben Wochen soll das auch nachmittags gelten. Ach ja – ob ich es schaffe, könnt ihr ja nach Belieben kontrollieren…
Interessant ist beim »Fasten« ja immer die Frage nach den Motiven. Der Predigttext vom letzten Sonntag – Jes 58,1-9a – warnt sehr strikt vor eigensinnigen Zielen und dem Wunsch nach einer isolierten »Ich und mein Gott«-Beziehung, die andere Menschen außen vor lässt. Ich nehme an, dass ich die »gesparte« Zeit vorrangig zum Lernen nutzen werde – aber dass so nebenbei auch mein Umfeld profitieren wird… Mal sehen.
7. Februar 2008 um 12.21 Uhr
Die Macht der Gewohnheit… Eben habe ich nebenbei mein Mail-Programm gestartet. Habe aber sofort begriffen – und die Sache wieder beendet, bevor ich auch nur eine Betreff-Zeile lesen konnte. Puuh…
7. Februar 2008 um 23.33 Uhr
…heute wurde die leistungsfähigkeit der dsl - leitung hier in der gegend heruntergefahren. ein mahnender fingerzeig von oben? - jedenfalls hab ich gemerkt, wie abhängig man - gerade als jobsuchender onliner davon ist. nach mehreren stunden nahezu fanatischen herumprobierens meldete jemand anderes ähnliche probleme. nun gehts wieder. technik die begeistert und abhängig macht. was habe ich eigentlich vor der erfindung des “internet by call” gemacht?