Enge Bildung

1. September 2012

Das Betreuungsgeld in seiner aktuell geplanten Variante ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss (wie auch?). Was mich aber mehr und mehr irritiert, ist die inflationäre Rede von »frühkindlicher Bildung« auf Seiten der Gegnerschaft. Die nämlich sei durch das Betreuungsgeld in Gefahr.

… was den Verdacht nahelegt, dass mit der Worthülse nicht Fingerspiele, Singen oder Basteln gemeint sind (alles Dinge, die zu Hause mindestens so gut gehen wie in der Kita), … sondern doch eher professionell-pädagogisch trainiertes Lesen (für unter Dreijährige!), »kindgerechte« Chinesisch-Kurse und Denksport.

Dass sich hier ausgerechnet diejenigen Gruppen unter ein billiges Leistungs-Diktat begeben, die traditionell für einen ganzheitlichen Bildungsbegriff votieren, … ist mindestens schade. Aber vielleicht gehört es ja einfach zum deutschen politischen System, dass die Opposition immer ordentlich draufkloppt auf die Regierung. Was dann allerdings nicht weniger schade ist.

 

6 Kommentare zu “Enge Bildung”

  1. steffen meint:

    Ich finde, dass dieses “Betreuungsgeld” weder christlich, noch sozial ist.
    Vorwiegend Kinder, deren Eltern kaum der deutschen Sprache mächtig sind, werden darunter zu leiden haben und später dann wir alle, wenn die nächste Generation von Sprachunkundigen eingeschult werden muss.
    Die meisten Kinder stammen nun mal nicht von deutschen Eltern ab und sie brauchen die Gemeinschaft mit anderen Kindern in dem Land, dessen Sprache sie beherrschen sollten, damit sie gleiche Chancen haben können.
    Das hat nichts mit “Chinesischkursen” zu tun.
    Gerade Christen sollten sich für die Gemeinschaft der Menschen engagieren und nicht für die Vereinzelung.
    Selbstständige und selbstbewusste Kinder brauchen gleichaltrige Kinder und die klaren Regeln der Gruppe. Schrecklich diese 20 jährigen Kinder aus dem Hotel Mama, die noch nie selbst eine Waschmaschine bedienen mussten…oder Verantwortung im Team übernehmen mussten. Aber der Staat spart sich so natürlich viel Geld und darum geht`s dabei letztlich.

  2. Jona meint:

    “… was den Verdacht nahelegt, dass mit der Worthülse nicht Fingerspiele, Singen oder Basteln gemeint sind (alles Dinge, die zu Hause mindestens so gut gehen wie in der Kita)”

    Na das finde ich jetzt aber etwas überspritzt formuliert. Deine Aussage suggeriert, dass im Kindergarten nur gespielt und nicht gelernt würde und das würde ich doch so nicht stehen lassen wollen, zumal ich es auch als eine Abwertung der fachlich qualifizierten Erzieherinnen und Erzieher ansehe. Ginge es nur um Betreuung, dann könnte man tatsächlich auch Ein-Eurojobber einsetzen…
    Zu guter Letzt ist denke ich auch an die unterschiedlichen familiären Voraussetzungen zu denken. Dass Familie Renz das zu Hause auch gut hinkriegt, glaube ich wohl, aber das ist eben nicht überall gegeben.

  3. steffen meint:

    Ja, so meine ich es.
    Das Bildungsbürgertum ist nun mal eine Elite und von der auszugehen wäre, denke ich, fatal und (sorry) wenig christlich oder sozial.
    Kinder brauchen die Betreuung in der Gruppe und sollten nicht von einem Staat zu Opfern der Sparpolitik werden und ihren (meistens) überforderten oder unterqualifizierten, sicher manchmal sogar liebevollen, Eltern allein überlassen werden.
    Ich bin dafür, KiTa ab 3 und dann später (anderes Thema) soziales Jahr -in Deutschland- für alle (nicht freiwillig).

  4. Daniel meint:

    @ Jona: Jein. Ich will ja gerade, dass im Kindergarten “nur” gespielt wird, – und würde das gerade auch als “Lernen” verstehen. Da sind die Grenzen ja fließend. Nur halt keine Chinesisch-Kurse …

    @ Steffen: Ich verstehe die Einwände. Nur erlebe ich regelmäßig, dass wir Erzieherinnen & Co. heillos überfordern, wenn wir ihnen die zu Hause versäumte Erziehungsarbeit zuschieben. Wie schaffen wir es, »frühkindliche Bildung« (richtig verstanden) in den Familien zu fördern? Klar, da muss letztlich mehr her als das Betreuungsgeld …

  5. Jona meint:

    Nicht dass du mich falsch verstehst, auch ich will keinesfalls Chinesischkurse im Kindergarten oder ähnlichen Quatsch.

    Und bezüglich deiner Anmerkung zu Steffen: da bin ich auch ganz bei dir. Es kann nicht die Aufgabe von Kindergarten und Schule sein die Erziehung nachzuholen die daheim nicht gegeben ist, aber es ist nun mal leider so.
    Und ich glaube kaum dass man das mit Betreuungsgeld oder ähnlichem ändern kann. Die Frage ist ob sich überhaupt was ändern lässt.
    Und dann plädiere ich doch dafür, dass diese Kinder überforderter oder lustloser Eltern dann doch im Kindergarten eben erzogen werden, dass sie es vielleicht selbst einmal besser machen können.

  6. Steffen meint:

    Also mir geht es vor allem darum, dass ich es unsinnig finde, Eltern zu subventionieren, denen es durch dieses Geld noch weniger gelingt, ihre Kinder in unsere Gemeinschaft zu integrieren.
    Und da ist eben die Mischung aus “gut bürgerlichen” (also durchaus zu Hause erzogenen und ausgebildeten) Kindern und Migrantenkindern oder Hartz IV. Kindern eine wichtige Sache.
    Natürlich ist Erziehung zuerst Elternpflicht, doch die Realität heute, in einer Zeit, in der die Familie als “kleinste Zelle” (Engels) der Gesellschaft oft nicht mehr funktioniert, ist eine andere.
    Sehr viele Kinder wären eben besser dran, wenn eine geschulte Erzieherin sich ihrer annähme. Und die Kinder, die aus “Renzhäusern”;-) kommen, die können den anderen vielleicht so viel mehr geben, als es ihre Eltern können…
    So verstehe ich es, wenn ich sage: Im derzeitigen Betreuungsgeld steckt wenig christlicher Geist…, denn die Kinder der Migranten etc. gehen uns alle an. Wir dürfen sie doch nicht mit ihren (oft klein gehaltenen) Müttern versauern lassen…

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