Brief an den ADAC

9. September 2008

Diese email war mehr als fällig (vgl. bereits den Beitrag »Teurer Luxus – gut so!«):

»Sehr geehrter Herr Ramstetter, sehr geehrte Damen und Herren,

erst jetzt komme ich dazu, Ihnen mitzuteilen, dass ich an der ADAC-Aktion "Runter mit dem Spritpreis" definitiv NICHT teilnehmen werde.

Ich bin gerne Mitglied im ADAC … und schätze die verschiedenen Serviceleistungen, die sich daraus ergeben. Ihre populistischen Statements in den letzten Ausgaben der "ADACmotorwelt" halte ich aber für höchst problematisch. Um es auf den Punkt zu bringen: Die enorme Steigerung der Benzinpreise in letzter Zeit ist aus meiner Sicht absolut notwendig und unbedingt zu begrüßen. Dies anzuerkennen, bedeutet mitnichten eine "Verteufelung der individuellen Mobilität": Dass die Autofahrt zum Bäcker um die Ecke oder ins nächste Dorf in absehbarer Zeit unerschwinglich wird – was soll daran schlecht sein?! Wenn Sie in der aktuellen "ADACmotorwelt" über "Studenten" sinnieren, "die sich die Fahrt zur Uni nicht mehr leisten können", dann frage ich mich ernsthaft, wo Sie eigentlich leben. Ich habe mein Studium vor zwei Monaten abgeschlossen. Während meiner fünfjährigen Zeit an der Uni sind mir nur wenige Studierende begegnet, die überhaupt meinten, mit dem Auto zur Uni fahren zu müssen – und das waren fast ausnahmslos Kommilitonen, die auch 5,00 EUR für den Liter Benzin nicht stören würden. Seltsam, dass das Stichwort "Öffentliche Verkehrsmittel" so gut wie nie bei Ihnen fällt.

Völlig richtig ist, dass eine Entlastung speziell der Berufspendler durchaus sinnvoll wäre. Und dass die Kosten für´s Fliegen mindestens ebenso stark ansteigen sollten, ist klar. Abgesehen davon gilt aber: Autofahren ist angesichts der heutigen Energie- und Klimasituation Luxus – und mitnichten ein menschliches Grundrecht.

Im Übrigen: Dass die Benzinpreise in letzter Zeit wieder deutlich gesunken wird – ohne die geforderte Steuersenkung durch die Bundesregierung, wohlgemerkt! –, darüber würde ich auch mal gerne was von Ihnen lesen…!

Mit herzlichem Gruß,

Daniel Renz«

[Ach ja: Den Umzug erledigen auch wir mit dem Auto. Und das kostet völlig zu Recht viel Geld...]

 

5 Kommentare zu “Brief an den ADAC”

  1. Hufi meint:

    Sehr guter Brief!
    Das wäre auch mein Problem mit dem ADAC falls ich ein Auto hätte…

  2. Daniel meint:

    Ach ja – ich vergaß: Der ADAC hat geantwortet! Gar nicht mal schlecht, finde ich:

    »Sehr geehrter Herr Renz,

    vielen Dank fuer Ihre Zuschrift, die uns der Chefredakteur der ADAC motorwelt, Herr Michael Ramstetter, uebermittelt hat.

    Schade, dass unsere Benzinpreis-Aktion nicht Ihre Zustimmung findet. Deshalb leiten wir eine Kopie Ihrer Zeilen an den zustaendigen Fachbereich zur Kenntnisnahme weiter.

    Es wuerde uns freuen, wenn Sie die Arbeit des ADAC auch weiterhin mit konstruktivem Interesse verfolgten. In diesem Sinne verabschieden wir uns und wuenschen Ihnen immer gute, sichere Fahrt.

    Mit freundlichen Gruessen

    [...]«

  3. Daniel meint:

    Der Spuk ist vorbei: In der neuesten Ausgabe der »ADACmotorwelt« werden sogar diejenigen ADAC-Mitglieder erwähnt, »die das Engagement des ADAC für eine Senkung der Energiesteuer nicht mittragen wollten. "Pannenhilfe ja, Politik nein", so das einhellige Credo dieser Mitglieder.« Ganz ähnlich wird in den abgedruckten Stellungnahmen von Volker Kauder, Peter Struck, Guido Westerwelle, Fritz Kuhn und Gregor Gysi argumentiert (besonders interessant fand ich den Hinweis, dass die Mineralölkonzerne auf Steuersenkungen vermutlich ihrerseits reagieren würde!). Dann noch ein paar beleidigte Seitenhiebe gegen die böse Politik, die – anders als ADAC und Autoindustrie – »nichts für die Autofahrer« tue, abgerundet von der trotzigen Feststellung des ADAC-Vizepräsidenten Ulrich Klaus Becker: »"Unsere Forderung nach Senkung der Spritsteuer … hat an Aktualität nichts eingebüßt.« Na ja.

  4. Michael meint:

    ADAC ” Das war mal ADAC ” Wollte heute direkt mal dem ADAC schreiben. Ignoranz hoch 10. Also der BLOG.

    Grundsätzlich ist der ADAC heute ein Abzockverein , welcher sich mit der
    Geschäftsleitung in den Milliarden sonnt. Kann mich gut erinnern, wie man sich um Spritpreise kümmerte, Baustellen während Urlaubszeit. Nichts von alledem.
    Bei der heutigen Autogeneration können die nicht helfen oder kommen mit Stunden Verspätung lustlos an. Mein Leben endet bald. 35 jahre unfallfreies Autofahren hinter mir . mehr als 300.000 km.
    In den 50er , 60 er Jahren
    gab es noch für das Mitglied eine Auszeichnung. Die Kinder bekamen in den Ortsclubs bereits eine Beziehung zum ADAC. Diverse Veranstaltungen.
    Wie große Familie.
    Heute kümmert sich der ADAC um nichts mehr. Läßt die Verrohung der Autofahrer zu. Lese ADAC überhaupt nicht mehr als Lobby.
    Traurig aber wahr.
    Ich scheide aus dem leben und bin froh den Rest nicht mehr zu erleben.
    Lebt wohl

  5. Daniel meint:

    …interessante Sicht der Dinge! Danke für diese Perspektive!

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