Boykottiert
8. Februar 2008Die Entscheidung ist gefallen: Ich mache mit beim aktuellen Tübinger Boykott gegen Studiengebühren. Wenn man’s genau nimmt, kann ich das gar nicht: Weil ich – dank Stipendium – von den regulären Gebühren befreit bin, fällt für mich ohnehin nur der (wesentlich niedrigere) Verwaltungsbeitrag für Studentenwerk & Co. an. Aber indem ich trotzdem auf das extra eingerichtete Treuhandkonto eingezahlt habe, helfe ich mit, das benötigte Quorum vielleicht doch noch zu erreichen…
Eine Klarstellung: Ich bin nicht grundsätzlich gegen Studiengebühren. Ein Blick auf andere Länder zeigt, dass Deutschland lange genug einen Sonderweg gegangen ist. Und Studieren ist ein unglaubliches Vorrecht. Viele meiner früheren Klassenkameraden aus der Grundschule arbeiten seit acht Jahren – und das kommt nicht zuletzt mir zu Gute. Von pauschalen Parolen à la »Ich zahl’ nix!« halte ich nix. Deswegen habe ich mich letztes Semester – als ich von meiner persönlichen Befreiung noch nichts wusste! – bewusst nicht an der Aktion beteiligt. Die Forderungen gegenüber Universität und Land waren damals einfach nicht differenziert genug – und hatten zudem für mein Empfinden einen unangenehmen, weil linksextremen Touch.
…aber: Studiengebühren sollen im Wesentlichen zur Verbesserung der Lehre beitragen. Und dass das bisher ausreichend geschehen sein soll, kann ich nicht bestätigen. Ein paar Beispiele:
Bleibt noch darauf hinzuweisen, dass die versprochenen Möglichkeiten der Finanzierung bislang nicht realisiert wurden: Die von verschiedenen Banken »eigens« angebotenen Kredite arbeiten quasi mit herkömmlichen Zinssätzen. Und warum die Studiengebühren – umgerechnet immerhin rund 80,00 € pro Monat – bei der Berechnung der Bafög-Zahlungen nicht berücksichtigt werden, bleibt mir ein echtes Rätsel.
…war ich jetzt zu undifferenziert? Oder fehlt noch was?!



8. Februar 2008 um 07.15 Uhr
Ich sehe das ähnlich wie du: grundsätzlich hab ich nichts gegen Studiengebühren, aber es hat sich eben nichts geändert: Die Seminare und Vorlesungen sind weiter überfüllt und man kann nicht alle Veranstaltungen besuchen, die man gern machen würde.
Dass im Computerraum jetzt Flatscreens stehen hilft mir auch nichts und die zusätzlichen Tutorien (hauptsächlich für die niedrigen Semester), naja.
Bei uns an der PH ist der Boykott übrigens ganz knapp gescheitert: das Quorum von 900 Boykottierenden wurde um 17 verfehlt.
8. Februar 2008 um 12.27 Uhr
…was – nur im 17?! Das ist ja jammerschade…
8. Februar 2008 um 13.55 Uhr
Tja, da kann man nichts machen.
900 Leute wären nötig gewesen und es waren 883.
Im nächsten Wintersemester gibt es aber wohl wieder einen Boykottversuch
9. Februar 2008 um 21.38 Uhr
…ach ja – dass es wirklich ein Privileg ist, Student zu sein, wurde mir am Donnerstag klar: Wir saßen um 10.00 Uhr gemütlich beim Frühstück, als die Handwerker anrückten… Kann mir gut denken, was die gedacht haben. (Andererseits: Am Abend davor hab’ ich halt auch dementsprechend lange am Schreibtisch gesessen…)
12. Februar 2008 um 09.25 Uhr
Ich erlaube mir einen rackback auf einen thematisch verwandten Artikel:
Studiengebühren flexibilisieren
Herzlichen Dank.
12. Februar 2008 um 18.12 Uhr
Hmm…bei MIR funktioniert der Link nicht… :-/