Ämterhäufung

23. November 2013

Regelmäßig werde ich als »Herr Pfarrer« angeredet. Oder, etwas abgemildert, als »Pfarrer Renz«. In kirchlichen Protokollen wird letztere Kombination auch auf weitere Berufe angewendet. Da ist dann »Pfarrer Renz« für eine Andacht zuständig, »Kirchenpflegerin X« hat eine Frage, »Jugendreferent Y« schlägt etwas vor, … Und dann gibt’s da noch die normale Mitarbeiterin »Frau Z«, die auch noch irgendeine Rolle spielt.

… und genau da liegt das Problem. Funktionsbezeichnungen bzw. Berufe werden unter der Hand zu Ämtern und Titeln, die mit den Namen als besonders wichtig gekennzeichneter Mitarbeiter(innen) verschmelzen. Welch ein Widerspruch zum evangelischen »Priestertum aller Glaubenden«. Und zu biblischen Texten wie Epheser 4,11f., die den Sinn bestimmter definierter Aufgaben eben darin sehen, die Heiligen – also alle Christinnen und Christen! – »zum Werk des Dienstes« zu befähigen, was wiederum den Leib Christi – die Gemeinde – erbaut. (Und »Schäfchen« »versorgt« allein Gott!)

… schön herausgearbeitet wird diese Schräglage in einem Impulspapier von »Kirche für Morgen« (was ich eine Woche vor den Württemberger Kirchenwahlen nicht als persönliche Festlegung auf einen bestimmten Gesprächskreis verstanden wissen will – es gibt noch drei andere …).

»Herr Pfarrer«, »Pfarrer Renz« – ich mag diese Anreden nicht. Am Dienstag hab’ ich’s gewagt. Und habe ausgerechnet im Seniorenkreis erklärt, warum ich »Herr Renz« bin – und sonst niemand. Noch nie hat eine Andacht dort so viele gute Gespräche ausgelöst. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Es gibt ja Grund zur Hoffnung: Wenn es doch der Herr Pfarrer ist, der jetzt anders genannt werden will … ;-)

 

7 Kommentare zu “Ämterhäufung”

  1. Steffen meint:

    Das macht Hoffnung darauf, dass es dann in der nächsten Generation doch kapiert wird.
    “Die Formen den Menschen anpassen und nicht die Menschen den Formen.”
    (ebenfalls nat. keine Wahlwerbung;-)
    Mensch vor Gott und Mensch unter Menschen zu sein, das ist Priestertum im besten, Sinne, weil im Sinne Jesu.

  2. Heinrich meint:

    Das gefällt mir!
    Diese Haltung setzt voraus, dass man nicht kraft seines Amtes irgendwelche von Gott gegebene Autorität beansprucht.
    Leider spukt noch in allzu vielen Köpfen so eine unheilvolle Verbindung von Amt und Autorität herum: Wenn einer Pfarrer ist oder Leiter oder Ältester oder Prediger, habe er mit seiner Berufung auch gottgewollte Autorität über die anderen in seiner Amtsausübung.

  3. Daniel meint:

    Hmm, Autorität ist an und für sich nichts Schlechtes, finde ich (genauso wenig wie Macht). Nur: Man muss damit sehr, sehr sorgsam umgehen. Und sie nicht auf einige wenige begrenzen.

  4. Steffen meint:

    Einspruch!
    Autorität oder gar Macht, kann im kirchlichen Konsens nur heißen: Statusverzicht.
    “…wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.” (Markus 10, 43)
    (Danke an der Stelle auch für den Buchtipp zu “Schwarzbrot-Spiritualität”)
    Insofern hat jede Amtskirche nat. ein Problem.
    Bruder Bergoglio dient da durchaus als lebendiges Vorbild.
    Der Schritt des Pfarrers oder des Papstes, jedes Gläubigen also, zu sagen: “Ich bin einer unter Gott und so einer unter euch”, ist daher zu begrüßen und der einzig richtige, weil von Gott so gewollte.
    Für uns, die wir Kirche sind, gilt eine Autorität die nichts mit Ämtern zu tun hat.
    Diese gilt für alle gleich.
    “…was aus der Taufe kroch etc. etc…)
    Und: Wir können gar nicht mit Autorität oder gar Macht “umgehen”.
    Es ist uns noch nie gelungen.
    Erst wenn wir beides an Gott abgeben, erst dann legitimiert uns das zu einem Amt in unserer heiligen Gemeinschaft, denke ich.
    Jedes zusätzliche Amt in der Gemeinde bedeutet einmal mehr Diener zu sein.

  5. Mathilda meint:

    Da frage ich doch mal neugierig und am Thema vorbei: Sympathisierst du denn mit einem der vier Gesprächskreise besonders?

  6. Daniel meint:

    … das kommt immer aufs Thema an. Die Frage nach dem Pfarrbild liegt gerade persönlich obenauf bei mir. Aber es gibt ja auch noch andere inhaltliche Bereiche, in denen ich wieder andere Postionen überzeugender finde. Und: Eine meiner Grundüberzeugungen ist, dass die Existenz der vier Gesprächskreise unserer Landeskirche eher schadet als nützt. Schon deshalb kommt eine Festlegung derzeit nicht in Frage für mich.

  7. Lesenswert #7 Kampfroboter und die Zukunft des Pfarrberufs | theologiestudierende.de meint:

    [...] Ämterhäufung [...]

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