Abrupter Abschied
10. Juli 2009Bis heute ist er mir unglaublich gut in Erinnerung – mein Grundschullehrer aus der dritten und vierten Klasse. Ein mitreißender, lebensfroher Pädagoge, der mich unglaublich positiv geprägt hat – in einer Zeit, in der ich (samt meinen Eltern) so manche »schwierige Phase« durchgemacht habe.
Über 15 Jahre hatten wir keinen Kontakt mehr. Diesen Januar hatte ich den spontanen Einfall, ihm einen persönlichen Brief zu schreiben (mein Einstieg ins Berufsleben bot ja durchaus so was wie eine passende Zäsur). Eine Antwort kam nicht – und so hatte ich die Sache rasch vergessen.
Vorgestern rief mein Vater an, Palliativmediziner an einer Tübinger Klinik: »Dein Lehrer kam heute als Patient zu uns.« Den Brief hatte er aufmerksam gelesen – und über meinen (ehemaligen) Nachnamen konnte er auch meinen Vater gleich einordnen.
Ich hatte vor, ihn zu besuchen. Aber er starb noch in derselben Nacht.
Was bleibt? Die Dankbarkeit, dass wir nochmal Kontakt haben konnten. Und auch der Schmerz, dass ein weiterführender Besuch nicht mehr möglich war.
Gut, dass Gott Experte ist für alles Unfertige – und für unsere losen Lebensfäden.
